Insolvenzverschleppung vorgeworfen
Anklage gegen Ex-Sachsenring-Chefs

Drei Ex-Vorstandsmitglieder der Sachsenring Automobiltechnik AG aus Zwickau sind von der Staatsanwaltschaft Chemnitz wegen vorsätzlicher Insolvenzverschleppung angeklagt worden.

HB CHEMNITZ. Ulf und Ernst Wilhelm Rittinghaus sowie Jürgen Rabe hätten von der Überschuldung des Unternehmens gewusst, jedoch die notwendige Insolvenzanmeldung unterlassen, teilte das Landgericht Chemnitz am Dienstag mit. Den Brüdern Rittinghaus wird zudem Bilanzfälschung und Untreue vorgeworfen.

Ex-Vorstandssprecher Ulf Rittinghaus wollte sich zu den konkreten Vorwürfen "nicht mehr persönlich äußern, das macht mein Anwalt Herr Professor Hamm in Frankfurt/Main", sagte er der dpa. Rechtsanwalt Rainer Hamm war zunächst nicht erreichbar. Ulf Rittinghaus bezeichnete die Anklageerhebung als "ein Griff in die Trickkiste der Politik, die mit uns noch eine Rechnung offen hat". Jetzt müsse zunächst das Gericht binnen sechs Monaten prüfen, ob sie die Anklage zur Hauptverhandlung überhaupt zulasse: "Ich sehe das Ganze gelassen." Auch Ernst Wilhelm Rittinghaus lehnte es ab, in der Sache öffentlich Stellung zu nehmen und verwies auf das Anwaltsbüro.

Die Brüder Rittinghaus, Mittelständler aus dem Sauerland, hatten 1993 Teile des ehemaligen Trabant-Herstellers sowie Namens- und Patentrechte erworben. Die Insolvenz war Ende Mai 2002 angemeldet worden. In der seither von Insolvenzanwalt Bruno Kübler geleiteten Sachsenring Zwickau AG sind nach Angaben von dessen Büro derzeit noch rund 200 Menschen beschäftigt.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft haben die Rittinghaus-Brüder mit Scheinrechnungen einen unzutreffenden Konzerngewinn von seinerzeit 3,4 Mill. DM ausgewiesen. Dies habe zur Folge gehabt, dass in den Jahren 1998 und 1990 an die Aktionäre Dividenden in Höhe von insgesamt 1,6 Mill. DM ausgeschüttet worden seien. Tatsächlich aber habe das Unternehmen Verluste erwirtschaftet.

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