Insolvenzverwalter
Der Kampf um die fettesten Leichen

Insolvenzverwaltung galt als ähnlich krisenfest wie Bestattungen: Gestorben wird schließlich immer. Was aber, wenn in immer mehr Fällen am Ende nichts mehr übrig ist für Eichensarg, Marmorgrabstein und Leichenschmaus? Wenn es nur noch für die schnelle anonyme Bestattung reicht? Genau dieses Phänomen erleben derzeit Deutschlands Insolvenzverwalter.

Bei immer mehr Pleiten kommt es mangels Masse gar nicht erst zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Der Grund: Aus Realitätsverlust und Angst vor der Schande stellen etliche Unternehmer erst dann den Antrag, wenn auch der letzte Rest von Substanz aufgebraucht ist. Und, weil wohl die meisten bis zum letzten Augenblick auf ein Wunder hoffen. Einige Insolvenzgerichte in Deutschland betreuen pro Jahr ganze 20 Fälle. Entsprechend groß ist der Run auf jene Verfahren, bei denen es noch Masse zu verteilen und damit auch ein Honorar zu verdienen gibt.

Nur: Wie drankommen an die Fleischtöpfe? Traditionell wählen Gerichte Insolvenzverwalter aus internen Listen aus. Warum allerdings wer auf welche Liste kommt, bleibt häufig das Geheimnis des jeweiligen Richters. Als wichtig gilt die Ortsnähe, das heißt, mit einem Hamburger Fall beauftragen die Gerichte am liebsten eine Hamburger Kanzlei.

Die Folge ist seit einigen Jahren eine skurrile Wanderbewegung. "Wenn ein Verwalter beispielsweise aus Köln merkte, dass am Rhein nicht mehr viel zu holen ist, eröffnete er eine Filiale in Hamburg und eine in Berlin, um dort auf die Listen der Gerichte zu kommen", schildert Frank Frind, Insolvenzrechtsexperte und Richter in Hamburg.

Ende Mai hatte das Bundesverfassungsgericht entschieden, diese Listen dürften nicht dazu führen, dass immer dieselben Verwalter zum Zuge kommen. Jeder geeignete Kandidat müsste eine - zumindest theoretische - Chance auf ein Verfahren haben, urteilte das Gericht. Und wer nicht zum Zuge kommt, kann gegen die Entscheidung klagen. Das haben in jüngster Zeit auch einige Verwalter getan - allerdings bisher durchweg ohne Erfolg.

Hinzu kommt, dass die Sequesterbranche augenblicklich nicht nur durch den scharfen Wettbewerb unter Druck gerät, sondern auch durch die Politik. Die nordrhein-westfälische Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter treibt in diesen Wochen eine seit Jahren geführte Diskussion voran: Die Gläubiger, so die Pläne, sollen künftig innerhalb eines Insolvenzverfahrens mehr Macht gegenüber dem Insolvenzverwalter erhalten.

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