Intel-Chef Otellini
Schluss mit lustig!

Am heutigen Dienstag will Intel-Chef Paul Otellini seine Mitarbeiter über Massenentlassungen informieren. Er muss auch um seinen eigenen Job bangen. Denn seit Otellini den weltgrößten Chiphersteller führt, reiht sich eine schlechte Nachricht an die andere.

MÜNCHEN. Es sind diese kleinen, gezielten Sticheleien, die Managern manchmal am meisten zu schaffen machen. Das bekam auch Intel-Chef Paul Otellini zu spüren. Es begann mit einem dürren Satz von Wall-Street-Analyst Joe Osha in diesem Frühjahr. „Ist Otellini wirklich der richtige Mann an der Spitze des größten Halbleiterkonzerns der Welt?“ fragte der Banker von Merrill Lynch – und löste eine hitzige öffentliche Diskussion aus.

Der Experte bezweifelte, dass Otellini Intel aus seiner derzeitigen Krise herausführen kann. „Dazu greift er einfach nicht hart genug durch“, kritisierte Osha. So deutlich hatte das bis dahin noch kein Analyst formuliert. Die Autorität eines Intel-Chefs in Frage zu stellen ist pikant, denn die Bosse des Chip-Imperiums aus dem Silicon Valley galten lange als nahezu unantastbar. Das Geschäft des US-Konzerns lief einfach so gut, dass es trotz einiger schwacher Sparten alles in allem nichts zu meckern gab.

Doch seit Otellini Intel führt, seit dem Frühjahr 2005, reiht sich eine schlechte Nachricht an die andere. Der Gewinn bricht ein, der Umsatz geht zurück, und die Aktie entwickelt sich schlechter als die der Konkurrenten. Viele Beobachter sind überzeugt, dass Intel in den vergangenen Jahren entscheidende technische Entwicklungen verschlafen hat und sich das jetzt rächt.

Am heutigen Dienstag will Otellini all den Kritikern, die ihm mangelnde Härte vorwerfen, eine klare Antwort geben. Wenn sich an den internen Plänen nichts mehr ändert, wird der Kalifornier seine Mitarbeiter über einen weit reichenden Stellenabbau informieren. Ein Intel-Sprecher wollte sich gestern zu Zeitpunkt und Details der Ankündigung zwar nicht äußern. In der Branche wird jedoch darüber spekuliert, dass Otellini zwischen 10 000 und 20 000 Jobs streichen wird. Vor einigen Wochen hat Otellini schon 1 000 leitende Angestellte vor die Tür gesetzt.

Dass einer wie Otellini mit der Motorsäge durchs Unternehmen geht, passt so gar nicht zu seinem Auftreten in der Öffentlichkeit. Denn der Ökonom hat nichts von der Aggressivität vieler anderer US-Manager. Vielmehr verkörpert er mit seinem wenig modischen Scheitel und der dunklen, unauffälligen Kleidung eher das Bild eines pflichtbewussten Sachbearbeiters, der brav seine Schichten von neun bis fünf im Büro absitzt.

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