Interesse an Wadan-Werften
Igor Jussufow: Der geheimnisvolle Investor

Er ist ein Mann der Strippen ziehen kann. Ein Bürokrat mit Gespür für Zusammenhänge – politische, wirtschaftliche, persönliche. Derzeit stellt Igor Jussufow diese Fähigkeiten wieder unter Beweis: Gemeinsam mit seinem Sohn Witalij will er die insolventen Wadan-Werften in Wismar und Rostock kaufen. In Moskau wird bereits spekuliert, ob und wenn ja, für wen der 53-Jährige als Strohmann agiert.

MOSKAU. Igor Jussufow ist ein ruhiger Mann. Keiner, der sich jemals in den Vordergrund gedrängt hat und keiner, der auf den Tisch haut oder rüpelt. Viel lieber zieht der studierte Energie-Ingenieur im Hintergrund die Fäden. Der ehemalige russische Energieminister ist nicht einfach nur ein Geschäftsmann oder gar Oligarch. In Russlands Reichen-Rankings taucht er nicht auf. Dafür sitzt Jussufow im Aufsichtsgremium des größten und wichtigsten russischen Staatskonzerns – Gazprom. Damit nicht genug: Er ist zudem Sondergesandter des russischen Präsidenten für internationale Energiebeziehungen. Sein Sohn leitet das Moskauer Büro des Ostsee-Pipeline-Konsortiums Northstream, an dem Gazprom beteiligt ist.

Gazprom selbst hat bereits dementiert, irgendetwas mit Jussufows Vorstoß bei den Werften zu tun zu haben, doch Beobachter in Moskau sind sich sicher, dass Vater und Sohn nicht auf eigene Rechnung arbeiten. Im Umfeld des Gaskonzerns heißt es, Jussufow senior verfüge selbst nicht über das Geld, um eine Akquisition wie die Wadan-Werften zu stemmen. „Er ist ein typischer Beamter, ist nie als Geschäftsmann aufgefallen“, heißt es. Seit Beginn der neunziger Jahre hatte er eine ganze Reihe von Regierungsposten inne: unter anderem auch als Vize- Industrieminister.

Die Verantwortlichen in Berlin und Schwerin konnte er dennoch überzeugen. Sie setzen offenbar mehr auf ihn als auf den bisherigen Eigentümer Andrej Burlakow, dem sein ehemaliger Arbeitgeber, die staatliche Leasinggesellschaft FLC, vorwirft, Firmengelder für den Kauf der Werft veruntreut zu haben.

Jussufows Gebot für Wadan läuft offenbar über eine Schweizer Aktiengesellschaft. Hinter deren Beteiligungsverhältnissen steht allerdings ein Fragezeichen. Unstrittig ist, dass Jussufow bereits einen Anteil an den Werften besitzt. Zu Alteigentümer Burlakow hat er offenbar keinen guten Draht mehr.

Dafür vielleicht ganz nach oben – so die Hoffnung auf deutscher Seite. Die Jussufows könnten für die dringend benötigten Aufträge sorgen, die Burlakow zwar versprochen hatte, aber nicht beibringen konnte.

Kreise, die Jussufow junior nahestehen, offenbarten der Zeitung Wedomosti, wer zu den Interessenten hinter Vater und Sohn zählen könnten: die staatliche Schiffbauholding OSK, aber auch der Geschäftsmann Sergej Pugatschow und damit die Petersburger Bank Rossija. Pugatschow, auch Mitglied des russischen Oberhauses, werden in Moskau „sehr gute Kontakte“ zu Regierungschef Wladimir Putin nachgesagt – er gilt als „Kassenwart des Kremls“.

Klar ist: Russlands Werften benötigen dringend neue Technologien. Die Flotte ist komplett veraltet, und selbst wenn Gazprom nicht auch noch in den Schiffbau einsteigen will, braucht der Konzern für seine Expansionspläne mit verflüssigtem Gas (LNG) die nötigen Spezialschiffe: Wadan könnte diese liefern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%