International weit vorne
Kurzfrist-Boni verführen Manager

Kein Grund zur Klage: Deutsche Manager verdienen im Schnitt mehr als ihre Kollegen in Frankreich, der Schweiz oder den USA. Das zeigt eine Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Von „Gehaltsexzessen“ möchten die Aktionärsschützer trotzdem nicht sprechen.

DÜSSELDORF. Die Bezüge deutscher Manager sind zu stark auf kurzfristigen Erfolg ausgerichtet. 56 Prozent seien an Jahresboni oder Tantiemen geknüpft. Idealerweise sollte es nur ein Drittel des Gesamtgehalts sein, sagt Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Zwei Drittel der Variablen müssten an langfristige Kriterien geknüpft werden.

Der Aktionärsverband plädiert wie andere Vergütungsexperten auch dafür, Boni nicht an einem einzelnen Jahresergebnis aufzuhängen, sondern von Mehrjahres-Durchschnittskennzahlen abhängig zu machen. Einen ähnlichen Vorschlag hatte kürzlich der internationale Bankenverband IIF unterbreitet. Um die teilweise extremen Gehaltsausschläge bei Bankern zu glätten, plädiert der Verband dafür, leistungsabhängige Boni über mehrere Jahre zu strecken – und bei späteren Verlusten auch zurückzufordern.

Der Aktionärsverband DSW warnt vor einer Regulierung von Managerbezügen. Für angebliche Gehaltsexzesse oder „unanständig hohe Bezüge“ der Topmanager, mit denen Politiker aus Union und SPD regelmäßig Forderungen begründeten, gebe es keine Belege, sagte Hocker gestern bei Vorstellungen einer Gehaltsstudie.

Die Koalition in Berlin will ab September über zusätzliche Regeln für die Bezahlung von Managern beraten. CDU und SPD haben bereits ihre Forderungen vorgelegt. Hocker mahnte jedoch: „Managergehälter in zweistelliger Millionenhöhe bringen sozialen Unfrieden in unser Land – darüber sollten wir nachdenken.“

Gleichwohl sieht der führende deutsche Interessenverband für Aktionäre Handlungsbedarf. „Größte Schwachstelle“ seien die kaum vergleichbaren Berichte der Konzerne. Er kritisierte, dass einige Unternehmen sogar Abfindungsansprüche von Managern in der Altersversorgung versteckten. Die DSW fordert einen einheitlichen Standard für Vergütungsberichte wie es in den USA schon länger üblich sei.

Kritisch sieht die DSW auch, dass bei Abfindungen nur „wesentliche Inhalte“ veröffentlicht werden müssten. Hier fordert der Verband mehr Transparenz.

Nur in einem Punkt unterstützt DSW-Chef Hocker die Politiker: „Die Verlängerung der Haltefristen von Aktienoptionen von zwei auf drei Jahre ist eine sinnvolle Veränderung.“ Damit könne der Langfrist-Charakter erfolgsabhängiger Gehaltsbestandteile betont werden. Was Politiker wie DSW übersehen: In der Praxis spielt dieses Thema kaum eine Rolle, denn die meisten Konzerne, die ihren Managern Aktienoptionen bieten, haben längst Haltefristen von mindestens drei Jahren festgelegt.

Laut Vergütungsstudie der Schutzvereinigung, die vom Münchener Wirtschaftsprofessor Gunther Friedl erstellt wurde, erhalten Vorstände aus Dax-Konzernen im Schnitt 2,9 Millionen Euro, im Börsensegment MDax 1,5 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2007. Die Steigerungsraten gegenüber dem Vorjahr betragen demnach 7,75 Prozent (Dax) und 8,34 Prozent (MDax).

Spitzenreiter ist bekanntlich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit 13,98 (Vorjahr: 13,2) Millionen Euro. Dabei profitierte Ackermann von dem Rekordgewinn seines Instituts. Auf den Plätzen folgen Daimler-Chef Dieter Zetsche mit 10,01 (4,5) Millionen Euro) und Linde-Chef Wolfgang Reitzle mit knapp 8,06 (5,9) Millionen Euro Gesamtvergütung. Schlusslicht unter den Dax-Vorstandsvorsitzenden war laut DSW Wolfgang Klein von der Postbank, der auf 1,5 Millionen Euro kam. Top-Verdiener unter den MDax-Vorständen ist nach den DSW-Zahlen Puma-Chef Jochen Zeitz mit einem Gesamtgehaltspaket von 7,2 Millionen Euro.

Im internationalen Vergleich sieht die DSW für deutsche Manager keinen Grund zur Klage: Mit einem Bargehalt von 3,8 Millionen Euro verdiene ein durchschnittlicher Dax-Vorstandschef mehr als Kollegen in Frankreich (2,3 Millionen Euro), der Schweiz (2,99 Millionen Euro) oder den USA (3,03 Millionen Euro), berichtete die Vereinigung.

Allerdings kommen Chefs großer Konzerne in der Schweiz und den USA viel stärker in den Genuss aktienorientierter Gehaltsbestandteile, so dass etwa der Spitzenverdiener im US-Leitindex Dow Jones, George David von United Technologies, ein Jahressalär von umgerechnet 27,8 Millionen Euro erhielt. fo

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
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