Interne Kommunikation
Management by Zauberstab

In vielen Unternehmen läuft die interne Kommunikation alles andere als rund. Eine Untersuchung zeigt: Bosse, die ihre Leute anschweigen sind keine Seltenheit – und Chefs, die ihre eigenen Firmen-Kommunikatoren stiefmütterlich behandeln, auch nicht. So gelangen Ideen, Visionen und Strategien der Unternehmenslenker nur schwer in die Köpfe der Mitarbeiter.

Beim Chemieriesen Henkel haben die Chefs der internen und der externen Kommunikation eine „eherne Regel vereinbart“, erzählen sie. An die Öffentlichkeit darf keine Mitteilung aus Lars Wittecks Abteilung rausgehen, ohne dass Dirk Neubauers Abteilung – die interne Kommunikation – vorher abprüft, ob diese auch an die Henkelianer, die eigenen Mitarbeiter, gehen soll. Und zwar am besten mit Zeitvorsprung. Oder wenigstens gleichzeitig. Diese Sicherheitsstufe soll verhindern, dass die eigenen Leute Neuigkeiten aus der Firma aus der Presse erfahren – statt vom Henkel-Management. „Die externe Abteilung steht im Rampenlicht, aber die interne hat einen ebenso hohen Stellenwert“, ist ihr Fazit.

Doch das ist nicht die Regel: 60 Prozent der Mitarbeiter in den internen Kommunikationsabteilungen schätzen ihren eigenen Stellenwert niedrig ein. In 50 Prozent der Unternehmen wurden in den vergangenen zwei Jahren der internen Kommunikation die Budgets gekürzt – bei der externen Kommunikation waren es dagegen nur 17 Prozent. Dies sind Ergebnisse einer Untersuchung von Netfederation, einer Kölner Agentur, die auf Internet-Unternehmenskommunikation spezialisiert ist und zu deren Vorzeigekunden BASF, Deutsche Bank oder Novartis zählen. Befragt wurden in Tiefeninterviews 20 internationale Konzerne in Deutschland aus allen Branchen.

Die Kunst ist das Umsetzen im Alltag

Das bedeutet: Etliche Unternehmenslenker nehmen ihre Mitarbeiter nicht ernst. Gerade in Krisen könnte dies gefährlich werden. Wenn die oberste Aufgabe der Chefs darin besteht, die Belegschaft hinter sich zu bringen und mitzunehmen. Bertelsmann zum Beispiel erzielte jüngst bei seiner weltweiten Mitarbeiterbefragung eine Beteiligung von über 80 Prozent: Die Vorstände selbst reisten in die einzelnen Standorte und warben persönlich. Sie erklärten das Ziel und die Methode in Betriebsversammlungen sowie Einzelgesprächen.

Die Untersuchung weiter: Die Unternehmen kontrollieren nicht die Wirkung ihrer internen Kommunikation. Sie messen nur die Zahl der Texte und organisierten Meetings. Aber nur jede zweite untersuchte Firma fragt nach, welche Effekte die Botschaften hatten. Carsten Rossi, Gründer von Netfederation, wundert das: „Denn das Wichtigste ist doch, was bei den Mitarbeitern ankommt.“ Warum die Unternehmen es nicht tun? Vermutlich aus Kostengründen. Rossi beobachtet: „Das ist Management by Zauberwort. Die Manager glauben, sie müssten ihre Strategien nur einmal verkünden und dann hätten sie – Simsalabim – schon alles erledigt. Sie glauben fest, ihre Anordnungen würden sofort ganz korrekt ausgeführt, und das Boot sei schon auf dem richtigen Kurs.“

Doch die Kunst ist ja gerade nicht geniale Planung, sondern das Umsetzen im Alltag. Fatal ist das Führen per Mail, schildert Karl Bosshard, Partner der Managementberatung Kienbaum: „Da verkünden Manager ihre Visionen per Mail und glauben, sie wären bei den Leuten angekommen. Die wird aber nur überflogen. Was fehlt, ist die menschliche Zuwendung zum Festklopfen der Inhalte.“ Und: „Die Technik wird immer weiter aufgerüstet, und die persönliche Kommunikation nimmt ab.“ Setzen sich Chefs nicht mit der Belegschaft auseinander und halten emotional auch mal Widerspruch aus, bekommen sie ihre Leute nie an Bord. Dazu passt auch dieses Ergebnis der Netfederation-Untersuchung: 60 Prozent der befragten Unternehmen geben den Mitarbeitern nicht mal die Gelegenheit, direkten Kontakt zum Top-Management aufzunehmen – nach dem Motto: Das Organigramm ist heilig. Den obersten Boss darf einfach nicht jeder ansprechen. „Bloggen mit dem Chef ist hier kein Thema, in den USA dagegen an der Tagesordnung“, berichtet Peter Mockler, Europa-Chef der Managementberatung BearingPoint.

Seite 1:

Management by Zauberstab

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%