Internetunternehmer greift Google an
Barry Diller: Schuft und Star in einer Person

Milliardär, Medienkönig, Mann der Designerin Diane von Furstenberg – wenn es um Glamour-Attribute geht, erreicht Barry Diller, Vorstandschef der Interactive Corp. (IAC), locker die Bestnote in Pflicht und in Kür.

SAN FRANCISCO. Kein Wunder, dass sein Foto regelmäßig auf den Society-Seiten der Hochglanzmagazine „Vanity Fair“ und „Vogue“ auftaucht. Doch es sind sein ungezügelter Appetit für Akquisitionen, sein aufbrausendes Temperament und seine umstrittenen Managementtaktiken, die seinen Ruf als Star und Schuft begründen.

Der durchtrainierte 63-Jährige kündigte vor zwei Jahren vollmundig an: Sein Unternehmen werde dabei helfen, „die wirtschaftlichen Gesetze ganzer Branchen zu verändern“. Vor wenigen Wochen kaufte er die Suchmaschine Ask Jeeves für 1,85 Milliarden Dollar und will jetzt den Stars der Internetsuche, Google und Yahoo, Marktanteile abjagen.

Zu seiner Firmengruppe AIC gehören das TV-Shopping Netzwerk HSN, die Online-Partnersuche Match.com, der Internet-Hypothekenmakler Lendingtree.com, die Kartenverkaufsstelle Ticketmaster und das Reiseportal Expedia. Die Gruppe kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 6,2 Milliarden Dollar. Ask Jeeves soll jetzt die verschiedenen Firmenteile zusammenführen, für die Diller in den vergangenen vier Jahren rund zehn Milliarden Dollar ausgegeben hat.

Bisher lässt die Integration allerdings zu wünschen übrig. Einige Experten beschreiben sein Internet- und Shopping-Imperium als Flickenteppich, andere zweifeln an einer Erfolg versprechenden Strategie. „Alle Augen schauen jetzt auf Barry und warten, was er mit Ask Jeeves machen wird“, sagt Safa Rashtchy, Analyst beim Investmenthaus Piper Jaffray. Die Investoren sind nervös: Die Aktie hat innerhalb von zwei Jahren mehr als 30 Prozent verloren, während andere Internetunternehmen wie Yahoo, Google und Ebay zulegten. Jetzt spaltet er das Reisegeschäft ab, dessen Gewinne abgeflaut sind, und bringt es unter dem Markennamen Expedia an die Börse.

Von Skeptikern lässt sich Diller, dessen Managementstil der Biograf George Mair als autoritär und aggressiv bezeichnet, jedoch nicht bremsen. Er ist ein Selfmademan, der die Uni früh abbrach und sich dann von der Poststelle bei der Talentagentur William Morris über Managementpositionen beim Fernsehsender ABC und beim Filmstudio Paramount bis an die Spitze des Senders Fox hocharbeitete und ihn zur vierten Kraft in den USA machte. Sein Gespür dafür, welche TV-Shows am besten ankommen, brachten Zuschauerrekorde und beschleunigten seine Karriere.

Doch 1992 verließ er Fox. Bei einem Besuch des Shopping Networks QVC faszinierte ihn die Idee des Zusammenspiels von Fernsehen, Computer und Telefon so sehr, dass er sich fortan darum bemühte, sein eigenes interaktives Imperium aufzubauen. Dass dabei nicht immer alles glatt ging, zeigt nicht zuletzt der fehlgeschlagene Versuch, die Suchmaschine Lycos zu kaufen, und sein konfliktreiches Engagement bei Vivendi Universal Entertainment, das jüngst endete.

Diller zweifelt nicht, dass er mit seinem Internetgeschäft dem Branchenprimus Google Konkurrenz machen kann. „Das ist eine Wette, die wir eingehen“, sagte er der Nachrichtenagentur AP. Dass dabei einiges schief gehen kann, nimmt er in Kauf: „Wir tolerieren Fehler, solange es nicht ganz große Fehler sind“, philosophierte er.

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