Internetwirtschaft
Livedoor stellt Gründer Takafumi Horie kalt

Der skandalerschütterte japanische Internetkonzern Livedoor hat seinen Gründer und Chef Takafumi Horie geschasst, der wegen mutmaßlicher Aktienmanipulationen im Gefängnis sitzt. Zudem wurden korrigierte Unternehmenszahlen für 2005 veröffentlicht.

HB TOKIO. Neuer Präsident sei ab sofort der Livedoor-Manager und Chef der Buchhaltungsprogramm-Sparte Kozo Hiramatsu, teilte ein Sprecher des Unternehmens mit. Ein Nachfolger für Horie als Chief Executive sei nicht ernannt worden. Der 33-jährige werde zunächst weiter Direktor des Unternehmens bleiben, dürfe es aber nicht mehr repräsentieren, fügte der Sprecher hinzu.

Horie war am Montag gemeinsam mit drei weiteren Livedoor-Führungskräften wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das Wertpapiergesetz festgenommen worden. Eine Razzia der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Aktienmanipulationen hatte vergangene Woche zu panikartigen Verkäufen und massiven Verlusten an der Tokioter Börse geführt.

Zusätzlich zum Führungswechsel gab Livedoor am Dienstag revidierte Ergebnisse für die sechs Monate bis Ende März 2005 bekannt. Dabei schichtete es einen Großteil des Cash-Flows aus operativem Geschäft auf Cash-Flow aus Investitionen um. Der Cash-Flow aus operativem Geschäft sank um fast 90 Prozent auf 1,15 Milliarden Yen (rund 8,15 Millionen Euro).

Mit Aktien des Unternehmens darf von Mittwoch an nur noch zwischen 5.30 Uhr und 7.00 Uhr MEZ gehandelt werden, kündigte die Tokioter Börse an. Sie begrenzte die Handelszeiten für diese Aktien in Erwartung eines starken Handels. Mit der bislang einzigartigen Maßnahme will sie einer Überlastung ihres Computersystems vorbeugen. Die Börse hatte bereits den gesamten Nachmittagshandel um 30 Minuten verkürzt, seit eine Flut von Verkaufsordern die Computersysteme am vergangenen Mittwoch lahm zu legen drohte.

Die Ermittlungen gegen Livedoor hatte bei vielen Anlegern Ängste ausgelöst, auch andere Technologie-Firmen könnten sie betrogen haben. Die Masse von Verkaufsorders brachte das Computersystem der Börse an seine Kapazitätsgrenze, so dass der Handel abgebrochen wurde. Der Livedoor-Konzern, zu dem nach einer von Horie zehn Jahre lang aggressiv vorangetriebenen Übernahmestrategie fast 50 Software-, Berater- und E-Commerce-Firmen gehören, hat seit Beginn des Skandals rund drei Viertel seines Marktwerts eingebüßt. Vorher hatte er bei rund sechs Milliarden Dollar gelegen.

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