Interview
„Die Wirtschaft ist irrationaler als der Sport“

Drei Mal Gold bei den Olympischen Spielen, fünf Mal Weltmeister und 13 Mal Europameister: Michael Groß ist bis heute der erfolgreichste deutsche Schwimmer. Schon früh hat sich der 44-Jährige auf eine zweite Karriere nach dem Sport vorbereitet. Im Interview spricht der Chef der PR-Agentur Peakom über Goethes und Schillers journalistische Ambitionen, Porsche fahren mit 20 und den Intellekt von Athleten.

Herr Groß, Sie sind mit drei olympischen Goldmedaillen der erfolgreichste deutsche Schwimmer aller Zeiten. Was machen Sie heute?

Ich habe eine Unternehmensberatung für Kommunikation in Frankfurt. Wir machen Unternehmenskommunikation, Change Management, klären also die Frage, wie man Unternehmen wandeln kann, und Channel Marketing.

Im Moment jagt ein Skandal den nächsten: Unternehmen spionieren Mitarbeiter aus, die Bahn kauft sich anonym positive Berichterstattung. Warum?

Der Anlass ist in jedem Unternehmen anders. Doch unabhängig von individueller krimineller Energie: Ein Grund ist immer, dass die Unternehmenskultur, die vor solchen Auswüchsen schützen kann, fehlt. Dazu gehört zum Beispiel, dass Kritiker intern Gehör finden und nicht heimlich ihr Wissen ausplaudern.

Warum werden diese Fehler gemacht?

Weiche Faktoren kommen in der Unternehmensführung zu kurz. Das Problem ist bekannt. Wenige Manager kümmern sich aber darum, da es schwieriger ist, Menschen zu motivieren als zu organisieren.

Fühlen die Unternehmen sich unangreifbar, ähnlich wie Doper im Sport, die auch häufig darauf spekulieren, nicht erwischt zu werden?

In beiden Fällen betrügt man sich und andere, da man nie wissen wird, was man mit fairen Mitteln leisten könnte. Sonst lässt sich das nicht vergleichen.

Wie weit darf PR-Arbeit gehen?

Es gibt klare Regeln, wie im Journalismus. Dazu gehört Offenheit und Nachvollziehbarkeit der Arbeit.

Warum haben Sie sich für den Bereich der Kommunikation entschieden?

Vermittlung ist heute mindestens genauso wichtig wie das reine Können oder Wissen von Unternehmen. Kommunikation ist zwar nicht alles, aber alles ist nichts ohne Kommunikation.

Sie hätten es sich doch einfacher machen können und Trainer werden?

Das wäre langweilig gewesen. Der Sport war eine ganz tolle Epoche, aber die letzten beiden Jahre habe ich mir – zeitlich – schon aus dem Kreuz geleiert. Ich habe ja während meiner sportlichen Karriere sowohl Abitur gemacht als auch studiert. Das geht in der Öffentlichkeit zu oft unter: Es gibt viele Sportler in den olympischen Sportarten, die sind Ärzte, Anwälte, Ingenieure. Doch heute ist es schwieriger geworden, nebenbei zu studieren. Das liegt an der wachsenden Professionalisierung.

Sind Sportler heute dümmer als früher?

Nein, sie müssen leider viel eher und häufiger alles auf die Karte Sport setzen.

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