Interview
„Erfolg durch behutsames Management“

Im Interview spricht Christian Böllhoff, Geschäftsführer des Forschungsinstituts Prognos AG, über die paradoxe Balance von Familienunternehmen und deren Vorteile in Zeiten der Börsenkrise.

Herr Böllhoff, Sie sind Mitherausgeber des Buchs "Spitzenleistungen in Familienunternehmen". Was verbindet die Unternehmen, die darin porträtiert werden?

Es sind Unternehmen, die einerseits in ihrer Branche überdurchschnittlich gut sind und andererseits durch eine Familie dominiert werden. Sie werden in dem Buch jeweils unter einem spezifischen Managementaspekt porträtiert, mit dem ihr Erfolg erklärt werden kann. Es geht dabei beispielsweise um wertorientierte Führung - wie bei der Drogeriekette dm -, um Internationalisierung, Kooperationen oder Innovation. Wir wollen zeigen, wie Stärken genutzt und Nachteile kompensiert werden.

Welche Stärken und Schwächen haben Familienunternehmen?

Sie haben eine völlig andere Perspektive als Konzerne mit breit gestreutem Aktionärskreis. Familienunternehmer stellen das langfristige Überleben ihres Betriebs in den Vordergrund. Sie wollen nicht nur Geld verdienen, sondern das Unternehmen in guter Verfassung an die nächste Generation weitergeben. Natürlich kann dieses Denken Nachteile mit sich bringen. Etwa, wenn Unternehmer in Krisen zu spät gegensteuern. Oft überzeugen Familienunternehmen aber durch schnelle Entscheidungen. Und sie gehen vielfach innovative Wege, um Nachteile etwa wegen geringerer Größe auszugleichen.

In dem Buch werden 15 solcher Wege beschrieben. Welcher Ansatz wurde gewählt?

Unsere Leitidee war die Hypothese, dass Familienunternehmen nicht nur die ihnen zugesprochenen Stärken nutzen, sondern vielmehr eine dynamische Balance eigentlich paradoxer Werte herstellen. Familiäre Traditionen und Innovationskraft etwa sind kein Widerspruch. Gegenüber dem Defizitansatz, nach dem sich Familienunternehmen an börsennotierten Publikumsgesellschaften orientieren sollen, wird gezeigt, dass der Erfolgstreiber von Familienunternehmen das behutsame Management dieser Dualitäten ist. Dies beschreiben wir theoretisch und in Fallstudien.

Das Interesse an Familienfirmen wächst: Bücher entstehen, Forschungsinstitute werden gegründet. Was ist der Grund dafür?

Erst vor kurzer Zeit wurde durch die Börsenkrise sichtbar, dass gerade Familienunternehmen oft erfolgreicher sind - und das nachhaltig. Deswegen setzt sich auch die Wissenschaft heute stärker mit diesen Unternehmen auseinander. Noch vor drei Jahren ging es dabei meist nur um das Thema Generationsübergang. Jetzt wird aber intensiver untersucht, was zwischen Gründung und Nachfolgeregelung passiert. Mit anderen Worten: Das unternehmerische Managen und seine Erfolgstreiber stehen endlich im Vordergrund.

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