Interview: Fünf Fragen an: Dietrich Reinhardt

Interview
Fünf Fragen an: Dietrich Reinhardt

Im Interview spricht Dietrich Reinhardt, Berater und Spezialist für Familienfirmen bei KAP 1 Consulting, über typische Fehler von Familienunternehmen und wie sie in einer Krise vermieden werden können.

Herr Reinhardt, so erfolgreich Familienunternehmen sind - in der Krise versagen sie oft. Was sind typische Fehler?
Familienunternehmen wissen häufig nicht, wo sie zur Bewältigung der Krise ansetzen sollen, weil die erforderliche Transparenz im Unternehmen fehlt. Die Unternehmer erkennen, dass sie Verluste machen, wissen aber nicht, wo diese herrühren, bei welcher Produktgruppe oder bei welchem Geschäft sie entstehen. Häufig sind keine Ergebnisrechnungen für Produktgruppen und für den Vertrieb nur unvollkommene Kalkulationsgrundlagen vorhanden. Im Unternehmen fehlt nicht selten jegliches Controlling, das eine rechtzeitige und zielgerichtete Gegensteuerung ermöglicht. Bis der "Patron" einen Rat von außen annimmt, lässt er viel zu viel Zeit verstreichen. Bei einer schnellen Reaktion wäre oft wesentlich mehr zu retten gewesen.

Wie können sich Firmen gegen diese Mängel schützen?
Bei inhabergeführten Unternehmen steht dem Vorteil der schnellen Entscheidungswege der große Nachteil der Konzentration der Entscheidungen auf eine Person gegenüber. Unsere heutigen Entscheidungsprozesse sind zu komplex und das dazu notwendige Wissen zu vielfältig und spezialisiert, als dass der Inhaber jede Schwachstelle alleine erkennen und stets selbst die notwendige Gegenmaßnahme zutreffend bestimmen könnte. Deshalb tragen ein effizientes Controlling und ein unabhängiger Unternehmensbeirat - weitgehend besetzt mit familienfremden Fachleuten - wirksam dazu bei, dem Entstehen von Krisen vorzubeugen.

Was sollten externe Berater oder Manager berücksichtigen, wenn sie mit Familienunternehmen in der Krise zu tun haben?
Dass selbst in der Krise Ratschläge von außen mit viel Fingerspitzengefühl angebracht werden müssen. Familienunternehmer sind nicht selten eitel und haben erhebliche Vorbehalte gegen jede Einflussnahme von außen, vor allem dann, wenn diese von der Zunft der Berater kommt.

Gibt es Schwachstellen bei Familienunternehmen, die sich gar nicht abstellen lassen?
Die Stärke und Schwäche des Familienunternehmens liegt in der Regel in demselben Umstand, nämlich im Zweiaugenprinzip. Dies lässt sich gegebenenfalls durch einen zweiten Geschäftsführer oder ein beratendes Überwachungsorgan abmildern. Wollte man diese Schwäche jedoch ganz beseitigen, würde man dem Familienunternehmen seine Dynamik und seine Effizienz rauben.

Was können Familienunternehmen von börsennotierten Unternehmen lernen?
Übersichtliche Organisation, Transparenz bei den unternehmensinternen Prozessen, dazu klar definierte und möglichst zugleich dezentrale Verantwortlichkeiten. Wichtig sind Verzicht auf vergangenheitsorientierte Erfolgsrezepte, ein Controlling, das beim Chef Gehör findet, sowie Riskmanagement. Keinesfalls jedoch reines Shareholder-Value-Denken mit kurzfristiger Gewinnmaximierung.

Die Fragen stellte Ruth Vierbuchen.

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