Interview
Herr Deichmann und die Pussycat Dolls

Als Kind hat Schuhhändler Heinrich Deichmann oft Cowboy und Indianer gespielt. Im Interview spricht der Familienvater über die offenherzigen Pussycat Dolls, seine Skepsis gegenüber Banken und das Hohelied der Liebe in der Bibel.

Herr Deichmann, mitten in der Krise legen Sie das höchste Expansionstempo der Unternehmensgeschichte vor, alles ohne Fremdkapital. Sie halten nicht viel von Krediten, oder?

Ich denke da sehr konservativ – wie mein Vater auch. Wir geben immer nur so viel Geld aus, wie wir auch verdient haben. Wir haben keine Bankschulden, das hat besonders heute einen unschätzbaren Wert.

Verschafft Ihnen die Wirtschaftskrise ein bisschen Genugtuung? Das ist doch eine Bestätigung Ihrer Art der Unternehmensführung.

Ich empfinde keine Schadenfreude, weil durch die Krise viele Menschen weltweit in Not geraten. Wahr ist aber, dass die Unternehmen, die ambitionierte Übernahmen forciert haben, eine Menge Fremdkapital aufgenommen und sich völlig überhoben haben. Nun bekommen sie kein Geld mehr von den Banken und straucheln. Die Krise zeigt deutlich, dass das nicht der richtige Weg ist.

Kommt diese Bodenständigkeit von Ihrer Kindheit auf dem Land?

Vielleicht, ich bin in der Nähe von Wuppertal groß geworden. Mein Vater hat in Sichtweite des Bauernhofs, auf dem meine Mutter aufgewachsen ist, ein Grundstück gekauft und zwei Häuser gebaut; das eine für unsere Familie und das zweite für Kinder aus sozial schwachen Familien; ein Kinderheim, das meine Tante geführt hat. Ich habe viel mit den Heimkindern gespielt: Cowboy und Indianer oder Fußball. Es gab eine riesige Wiese und viel Wald. Mit einem Mädchen bin ich sogar eingeschult worden – sie arbeitet heute bei Deichmann.

Mussten Sie auf dem benachbarten Bauernhof richtig anpacken?

Einmal in der Woche musste ich die Kühe füttern und den Stall ausmisten. Das war harte, körperliche Arbeit und ich roch danach ziemlich streng. Ich habe im Bad immer alles fallen lassen und bin unter die Dusche gesprungen.

Ihr Vater hat vor der Übernahme des elterlichen Geschäfts erst Theologie studiert, dann Medizin und als Arzt praktiziert. Finden Sie Ihren Werdegang als Betriebswirt dagegen nicht langweilig?

Bei uns zu Hause standen die Geisteswissenschaften hoch im Kurs. Es wurde über das Geschäft gesprochen, aber auch viel über Theologie, Philosophie, Geschichte oder Literatur. Verglichen damit hielten wir den Erkenntnisgewinn der Betriebswirtschaft für eher gering. Aufgrund dieser Einstellung habe ich neben dem BWL-Studium in Bonn Theologie gehört und in Köln Philosophie und Geschichte – ein Studium generale sozusagen.

War Ihr Vater erleichtert, dass Sie sein Nachfolger werden wollten?

Er hat immer gehofft, dass ich in seine Fußstapfen trete. Er hat mir gesagt, dass ich mich bitte beeilen solle, weil er nicht mehr der Jüngste sei. Ich wollte zuerst nur Geschichte studieren. Daraufhin hat er mir die legendäre Frage gestellt: Ja, möchtest du denn Lehrer werden?

Angefangen haben Sie als Urlaubsvertretung in einer Deichmann-Filiale.

Ich habe Schuhe verkauft, kassiert, das Lager aufgeräumt und von der Pike auf den Verkauf gelernt. Ich war es nicht gewohnt, den ganzen Tag auf den Beinen zu stehen, und habe mich abends nur noch völlig erschöpft auf die Couch gelegt.

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