Interview
Kilger: "Kein Rechtsrat durch Autowerkstätten"

Hartmut Kilger spricht mit dem Handelsblatt über das neue Dienstleistungsgesetz, den Fortbildungsstreit und das Selbstverständnis des Anwalts. Kilger ist seit Juni 2003 Präsident des Deutschen Anwaltsvereins (DAV). Der 61-Jährige ist Fachanwalt für Sozialrecht und betreibt in Tübingen eine Zwei-Mann-Kanzlei.

Handelsblatt: Herr Kilger, der Anwaltstag, der morgen beginnt, gilt traditionell auch als Veranstaltung zur Stärkung des Zusammenhalts der Anwälte. Wie soll das aber gelingen, wenn sich schon die Berufsorganisationen nicht grün sind?

Kilger: Der Eindruck täuscht. Wir sind uns durchaus grün. Gerade deshalb erregen gelegentliche Meinungsverschiedenheiten, wie es sie auch zwischen dem Deutschen Anwaltverein (DAV) und der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) gibt, besonders großes Aufsehen.

Mal konkret: Zurzeit gibt es einen heftigen Streit zwischen DAV und BRAK vor der Monopolkommission - dem Sachverständigenrat zur Begutachtung des Wettbewerbs. Dabei geht es um handfeste finanzielle Interessen - nämlich, wer künftig noch Anwaltsfortbildung betreiben darf.

Kilger: Die Kommission untersucht die freien Berufe, und in diesem Zusammenhang beschäftigt sie sich mit dem Einfluss der Kammer-Pflichtmitgliedschaften auf den Wettbewerb. Wir sind gefragt worden, ob es Bereiche gibt, wo der freie Wettbewerb gestört ist. Wir haben den anwaltlichen Fortbildungsmarkt genannt. Daran sollten nach unserer Auffassung öffentlich-rechtliche Körperschaften nur zu Marktbedingungen teilnehmen.

Aber das zielt doch genau auf die Bundesrechtsanwaltskammer. Denn die bietet über ihr eigenes Institut, das DAI, Fortbildung an - und gräbt damit dem privat organisierten DAV mit seinem eigenen Institut das Wasser ab.

Kilger: Das DAI wird von den Kammern finanziell unterstützt. Von unseren Mitgliedsvereinen hören wir immer häufiger, dass sie mit den durch Kammermittel quer subventionierten Fortbildungsangeboten nicht mehr konkurrieren können.

Solche Aussagen dürften die BRAK und die regionalen Kammern aber nicht glücklich machen.

Kilger: Natürlich ist niemand glücklich, wenn er darauf aufmerksam gemacht wird, dass er gegen die geltende Rechtslage verstößt. Unabhängig davon schätzen und wollen wir die Rechtsanwaltskammern. Aber die sollen sich auf ihren hoheitlichen Auftrag der anwaltlichen Selbstverwaltung beschränken.

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