Interview mit Christian Veith
„Wir brauchen mehrere Champions“

Christian Veith ist Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Boston Consulting. Mit dem Handelsblatt spricht er über die Schlüsselfunktion starker Banken, die Notwendigkeit einer deutschen Industriepolitik und die wachsende Bedeutung von Personalvorständen.

Handelsblatt: In der Wirtschaft herrscht Fusionsfieber. In manchen Branchen wird schon von einem „endgame“ gesprochen, in dem die letzten schwächeren Anbieter aufgekauft werden. Andere Konzerne wie Daimler-Chrysler lösen hingegen ihre Welt AG wieder auf. Können Sie das erklären?

Christian Veith: Bei einem „endgame“ sind wir noch lange nicht angekommen. Manche Industrien, etwa die Banken in Deutschland, sind sogar erst am Anfang der Konsolidierung. Trägt die unterstellte Konsolidierungslogik nicht, werden wir auch die Rückkehr zu kleineren Unternehmenseinheiten erleben. Daimler-Chrysler ist hierfür ein gutes Beispiel.

Ist Größe denn entscheidend?

Größe an sich spielt erst einmal keine absolute Rolle. Sonst hätten es nicht so viele mittelständische Unternehmen aus Deutschland zu Weltmarktführern gebracht. Was allenfalls zählt, ist die relative Größe gegenüber den relevanten Wettbewerbern. Und selbst die ist manchmal unwichtig. In vielen Fällen können kleine und große Wettbewerber nebeneinander bestehen.

Vielleicht lassen sich kleine Unternehmen auch leichter steuern. Scheitern globale Konzerne an ihrer Größe?

Auch große Organisationen lassen sich steuern. Wenn allerdings der Chef eines Großunternehmens meint, dass er und seine Vorstandskollegen am besten alles selbst steuern müssen, dann irrt er. Große Organisationen funktionieren nur mit dem Vertrauen darauf, dass fähige Manager selbstständig handeln. Deshalb haben wir inzwischen auch viel mehr Management-Teams und weniger den alles entscheidenden CEO.

... der aber alles kontrollieren muss.

Nein, der alles verantwortet. Wenn jemand alles kontrollieren will, wird aus dem Bemühen um Steuerung schnell Komplexität. Viel wichtiger als Kontrolle ist die Fähigkeit der Manager zu eigenverantwortlichem Handeln.

Brauchen deutsche Banken noch ein wenig Größe?

Ein Kernproblem für die Banken in Deutschland ist, dass sie im eigenen Heimatmarkt keine kritische Größe erreicht haben – beispielsweise im Geschäft mit den Privatkunden. Die Wettbewerber aus England oder Italien nutzen hier ihre Vorteile konsequent aus. Schauen Sie sich die Ranglisten der Banken vor 20 Jahren an. Damals hatten Spanier oder Italiener keine Relevanz. Inzwischen gehören sie zur den Top Ten der Branche in Europa und nehmen Anlauf auf eine Weltmarktposition.

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