Interview mit Dieter Kosslick, Chef der Internationalen Filmfestspiel Berlin
„Es ist nicht mein primäres Ziel, reich zu werden“

Dieter Kosslick hat es zum Chef der Berlinale gebracht, begonnen hat er jedoch in der Werbung. Im Interview mit dem Handelsblatt äußert sich der ehemalige Redenschreiber über Geld, seinen Weg zum Film und die Lust auf richtig durchgebackene Brötchen.

Am 7. Februar geht es los. Sind Sie schon aufgeregt?

Nein. Sie kommen zum falschen Zeitpunkt, die Aufregung ist gerade vorbei. Man kann jetzt nichts mehr ändern. Also ich rede jetzt vom Programm des Wettbewerbs und des Berlinale-Specials, von den Roten-Teppich-Filmen, wie wir sie hier nennen, das ist alles abgeschlossen. Daher wäre alle Aufregung jetzt umsonst. ‚Extraleid’, wie man es im Zen-Buddhismus nennt.

Sie haben Kommunikationswissenschaften, Politik und Pädagogik studiert. Warum?

Weil mir nichts Besseres einfiel. In den Nebenfächern sehen Sie, um was es wirklich geht. Das war 1970/71 und natürlich auch ein Reflex auf die 68er, dass man Politik und Pädagogik studiert. Das war der jugendlichen Euphorie zu zollen, dass man etwas verändern könnte, wenn man die Leute etwas anders erzieht. Kommunikationswissenschaften hatten mich schon seit je interessiert. Ich war vor dem Studium zwei Jahre in München als Werbetexter tätig, weil ich eigentlich Werbefilmer werden wollte.

Wie wurden Sie dann der Redenschreiber des Hamburger Bürgermeisters?

Ich hatte in der Werbeagentur natürlich schon immer geschrieben – über Rieger-Pelze am Isartorplatz, Hochland-Skistiefel und über Globol-Mückenspray. Aber ich hatte einen Mentor, den berühmten Journalisten Manfred Bissinger beim „Stern“, der auch heute noch mein Freund ist. Der wurde Pressesprecher des Ersten Bürgermeisters Hans-Ulrich Klose, und den habe ich dann in München kennengelernt. Irgendwann fand mich der Bürgermeister ganz geeignet, um sein Team zu ergänzen. Aber nicht als Büroleiter – was ich ja später war –, sondern als Redenschreiber. Naja, ich saß an meiner Abschlussarbeit, ich hatte Schreibhemmungen – was lag da näher als Redenschreiber zu werden?

Waren Sie denn erfolgreich?

Ja. Ich war zu meiner Verblüffung sehr erfolgreich! Meine Schreibhemmung war irgendwie weg, ich habe sehr gerne für Klose geschrieben, der hatte tolle Themen drauf. Das darf man als Ghostwriter eigentlich nicht sagen: Ab und zu habe ich mich schon reingeschlichen und geguckt, ob er auch wirklich meine Rede hält – was er natürlich nie ganz getan hat, aber jedenfalls Teile davon. Aber das kam ganz gut an, die Pausen, die gesetzt worden sind, um Beifall zu bekommen.

Und wie kamen Sie von der Politik zum Film?

Nach der Arbeit im Rathaus bin ich aber relativ schnell zur Zeitschrift „Konkret“ gegangen, wo inzwischen Manfred Bissinger Chefredakteur war. Ich wurde dort Chef vom Dienst und relativ schnell ging ich von da als Geschäftsführer zum Hamburger Filmbüro. Ich kannte die Filmszene gut aus der politischen Arbeit, da sich Klose und Bissinger sehr für den Filmstandort Hamburg eingesetzt hatten. So kam ich zum Film, 1982/83.

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