Interview mit Management-Trainer
„Der Superheld an der Firmenspitze hat ausgedient“

Management-Trainer Boris Grundl erklärt im Interview, warum eher Menschenentwickler als Superhelden auf dem Chefsessel gefragt sind und warum ethische Werte auch im Kampf um kluge Köpfe entscheidend sind.
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Integrität ist nach Meinung von Managern der wichtigste Wert in der Unternehmenswelt. Kein Wunder, meint Boris Grundl. Als Management-Trainer und Autor („Mach mich glücklich – Wie Sie das bekommen, was jeder haben will“, Econ Verlag) kennt er sich mit den ethischen Grundlagen in der Wirtschaft aus. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er, warum die Zeit der Macher vorbei ist, Angela Merkel als Vorbild taugt und Werte im Kampf um kluge Köpfe wichtig sind.

Die Zeit der Macher ist vorbei – warum wir neue Vorbilder brauchen, haben Sie 2012 in Ihrem gleichnamigen Buch beschrieben. Ob Libor-Manipulation, Karstadt-Krise oder Uli Hoeneß' Steuerbetrug – seitdem jagte ein Wirtschafts-Skandal den nächsten. Wo bleibt denn nun der neue Typ von Manager?
Wir sollten nicht auf den Negativbeispielen der aktuellen Manager-Riege rumhacken, sondern das Ganze von der Metaebene aus betrachten. Klar ist, dass er kommen muss.

Warum?
Sehr viele Menschen, vor allem der Nachwuchs, haben heute andere Vorstellungen von Führung. Mitarbeiter wollen nicht mehr gesagt bekommen, was zu tun ist, sondern wollen selbst mitdenken und mitentscheiden. Wir reden dabei von einem Massenphänomen, dem sich Manager anpassen müssen. Damit hat der Superheld an der Unternehmensspitze, der alles weiß und alles kann, ausgedient.

Welche deutsche Führungskraft ist in Ihren Augen ein Prototyp für einen solchen „Menschenentwickler“, wie Sie ihn nennen?
Ganz aktuell natürlich Fußball-Bundestrainer Joachim Löw, grundsätzlich aber auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Wieso?
Löw hat es erfolgreich verstanden, aus starken Individuen ein Team so zu formen, dass es im globalen Wettkampf exzellent besteht, weil alle Spieler schnell und flexibel auf die sich ändernden Umstände und Anforderungen reagieren können. Der Trainer hat sich dabei selbst nie als „Macher“ in den Vordergrund gespielt, sondern als „Katalysator“ immer die Entwicklung der Mannschaft betont.

Und wie führt Angela Merkel im Vergleich zu ihren Kollegen der Marke „Alpha-Mann“?
Der Kanzlerin geht es nicht ums Jagen, Siegen und Erlegen – wie vielen Männern auf Leitungspositionen, sondern um das Zuhören, Empfangen und das gemeinsame Gestalten. Das ist Führungskompetenz, die Deutschland gut tut. Natürlich hat auch die mächtige Angela Merkel ihre Schwächen, aber das macht sie menschlich und damit sympathisch.

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