Interview mit Manuel Tusch
„In jedem steckt das Bedürfnis mitzuspielen“

Zwei von drei Deutschen würden ihren Job am liebsten wegen ihres Chefs kündigen. Manuel Tusch beschreibt gemeinsam mit Volker Kitz in dem neuen Buch "Ohne Chef ist auch keine Lösung", wie beide Seiten das Verhältnis verbessern können. Im Interview mit Handelsblatt.com erklärt der Autor und Coach, wo häufig die Gründe für den Frust liegen, was Chefs dagegen tun können, wie der "Postboten-Test" Mitarbeitern weiterhilft und wie wichtig Loyalität ist.
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Herr Tusch, zu Ihnen in die Praxis kommen täglich Menschen, die mit ihrem Beruf unzufrieden sind. Wie oft ist der Grund dafür ein Problem zwischen Chef und Mitarbeiter?

Rund 90 Prozent der Deutschen sind in ihrem Beruf unzufrieden. Und das Verhältnis zum Chef ist mit Abstand der Zufriedenheitskiller Nummer eins. Zwei von drei Angestellten würden wegen ihres Chefs am liebsten sofort kündigen. Das Problem ist also riesengroß.

Sind Deutsche häufiger unzufrieden mit ihrem Chef als die Menschen in anderen Ländern?

Eindeutig ja, wir Deutschen liegen in den entsprechenden Studien stets auf den vordersten Plätzen. Unsere Mentalität ist speziell, wir haben ein anderes Verhältnis zur Arbeit als die Menschen in anderen Ländern. Viele nehmen es nicht als das wahr, was es ist, nämlich ein Tauschgeschäft. Der Mitarbeiter gibt seine Zeit und erhält dafür ein Gehalt.

Verstärkt die Wirtschaftskrise das Problem?

Es gibt inzwischen einige Studien diesbezüglich, die sich mit den Eindrücken aus unserer Praxis decken: Die Entfremdung der Angestellten zu ihrem Job hat zugenommen. Die Diskussion um die Millionengehälter von Managern hat dazu beigetragen.

Was ist die Basis für ein gutes Miteinander zwischen Chef und Mitarbeiter?

Die Perspektive zu wechseln. Der Chef muss verstehen, wie sich sein Mitarbeiter in entsprechenden Situationen fühlt und anders herum ist es genauso. Das Problem ist nur, dass viele Menschen verstehen mit akzeptieren gleichsetzen. Man glaubt, dass man seine eigene Position aufgibt, wenn man den Anderen nur gut versteht. Das stimmt aber nicht.

Welche Rolle spielt die Entlohnung im Verhältnis zwischen Chef und Mitarbeiter?

Das Gehalt ist die einzig messbare Wertschätzung, die ein Angestellter bekommt. Mitarbeiter sind bewerten ihr Gehalt im relativen Vergleich meistens als zu niedrig. Und das machen sie dann in ihrem Chef fest. Er verkörpert für Sie das Problem der Ungerechtigkeit.

Nehmen Mitarbeiter das Gehalt als Form des Dankes denn überhaupt wahr?

Nein, gar nicht. Das Gehalt ist für die meisten Deutschen selbstverständlich und keine Form der Anerkennung. Hier liegt ein großer Unterschied zum Ausland.

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