Interview mit Olaf Lang
„Niedrige Deckelung macht Firmen unattraktiv“

Der Geschäftsführer von Towers Watson hält es für sinnvoll, die Vergütung eines Managers vom Erfolg des Unternehmens abhängig zu machen. Warum er schärferen Regeln skeptisch gegenüber steht, erklärt er im Interview.
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Handelsblatt: Verdienen deutsche Manager unanständig viel?

Olaf Lang: Deutsche Manager haben gehaltlich in den letzten Jahren aufgeholt. Nur in den USA sind variable Bezüge vielfach noch deutlich höher. Die Vergütung ist hierzulande immer stärker an die Performance des Unternehmens gekoppelt. Das ist auch sinnvoll. Da gibt es in guten Jahren schon mal Ausschläge nach oben. Aber in den Krisenjahren 2008/09 sind die Boni um 50 Prozent und mehr eingebrochen. Eine Vergütung muss atmen.

In guten Jahren aber verdient ein VW-Chef schnell mal 16,6 Millionen Euro, gut 80 Prozent mehr als im Vorjahr. Wäre da nicht eine Deckelung nötig?

Mit dem Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung gibt es schon länger die Möglichkeit für den Aufsichtsrat, die variable Vergütung zu kappen. Der Ruf nach schärferen Regelungen ist also nicht sinnvoll. Aufsichtsräte müssen bei Bedarf nur die bisherigen gesetzlichen Möglichkeiten strenger anwenden. Aufgrund der steigenden Einflüsse vieler Stakeholder wird es immer schwerer, unangemessene Vergütungen durchzusetzen.

Welche Folgen hätte eine Deckelung?

Von Kappungsgrenzen über alle Branchen hinweg halte ich nichts. Eine absolute Deckelung birgt zudem die Gefahr, dass sich die ausgezahlte Vergütung in Richtung Deckel bewegt. Da wäre letztlich nicht viel gewonnen. Ein zu niedriger Deckel aber macht Firmen unattraktiv für Topleute, die in Zürich oder London viel mehr verdienen könnten.

Wie sieht eine sinnvolle Deckelung aus?

Zum Beispiel so: Ein Vorstand hat einen Zielbonus von einer Million Euro ausgehandelt, wenn vorher festgelegte Ziele erreicht sind. Selbst wenn die Geschäfte besser laufen, kann sein Bonus nur das Dreifache erreichen - also höchstens drei Millionen Euro. Das verhindert extreme Gehaltsausschläge in Boomjahren.

Welche Unternehmen praktizieren das schon?

Viele, aber erstaunlicherweise selten auf Vorstandsebene, dafür aber auf Ebenen darunter. Für Bereichsleiter ist eine Deckelung der Boni durchaus üblich und hat sich auch bewährt.

Was halten Sie vom Vorschlag, das Chefgehalt auf das Hundertfache eines typischen Mitarbeitergehalts zu begrenzen?

Das ist absolut kontraproduktiv. Zum einen gibt es starke Branchenunterschiede: Ein Mitarbeiter in einem globalen IT-Unternehmen verdient im Schnitt deutlich mehr als ein Mitarbeiter in einem Logistik-Unternehmen. Zum anderen schafft das völlig falsche Anreize. Jeder Vorstand könnte dann bestrebt sein, alle Niedrigverdiener auszulagern - so könnte er schnell sein Gehalt steigern.

Kommentare zu " Interview mit Olaf Lang: „Niedrige Deckelung macht Firmen unattraktiv“"

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  • Ich kann Ihnen nur zustimmen:
    o es gibt mehr gute und geeignete Leute für die Top-Posten, als es Top-Posten gibt

    o die Angst, dass man die Top-Leute bei einem lediglich 20-fachen Gehalt des Durchschnittverdienstes verliert ist nachvollziehbar: hat man einmal die wirklich absolute finanzielle Unabhängigkeit erreicht, entfällt der finanzielle Anreiz für Arbeit <=> "unter diesen Bedingungen muss ich mir das nicht antun...."

  • Bei einer ganzen Reihe von Bankenvorständen in Deutschland hätte ich mir in den letzten zehn Jahren gewünscht dass sie früher schon nach Zürich, London oder New York gegangen wären weil sie hier nur Gehälter unter der Millionengrenze hätten erzielen können. Uns wären Hunderte von Milliarden an Verlusten erspart gebleiben. Casinopapiere verhökern und bei Verlusten die Staaten bluten zu lassen, braucht man dazu diese tollen Leute? Für 1 % das Geld bei der EZB abholen und dann für fast 6 % an Spanien weiterreichen, braucht man dafür einen Einstein?
    Ich stelle mal die Behauptung auf dass man für ein Verdienst von 1 Million Euro / Jahr genügend hochklassige Leute für die Spitzen unserer Unternehmen finden kann. Das geht doch in diesen Größenordnungen nur noch darúm "wer hat den längsten". Das würde sich nach einer gewissen Zeit einspielen. Die Kandidaten müssten nur einem fairen Wettbewerb ausgesetzt und nicht wie heute aus einem closed shop geholt werden. Knappheit kann man auch erzeugen wenn man die Macht dazu hat.
    Die horrenden Einkommen dieser Leute wirken wie Steuern auf die Unternehmen, unproduktive Kosten eben. Und Steuern wollen die doch immer senken. Komische Einstellung wenn man dann nicht liefert. Wenn diese "Topleute" weningstens den Erfolgskriterien des eigenen mittleren Managements ausgesetzt würden, dann könnten wir uns die Diskussion ersparen. Dann würden sich nur noch die wirklich Guten an diese Aufgaben trauen und davon gibt es mehr als man heute glaubt. Es ist noch nicht so lange her da war ein Vorstandsgehalt von 1 Mio DM / Jhr ziemlich gut und da hatten wir auch schon sehr gute Leute. Etwas Bodenhaftung wäre veilleicht ganz nützlich damit der Laden nicht auseinanderfliegt.

  • Völlige Zustimmung.
    Wir müssen den Herren mal wieder eines beibringen:
    Leistungsträger sind sie selbst nämlich nicht.
    Das sind die Mitarbeiter die den Landen am Laufen halten.
    Die Arroganz dieser Manager, dieser Möchtegerns ist grenzenlos.

    .....Zum anderen schafft das völlig falsche Anreize. Jeder Vorstand könnte dann bestrebt sein, alle Niedrigverdiener auszulagern - so könnte er schnell sein Gehalt steigern.
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    Diese Aussage zeigt schon die ganze kriminelle Energie die diese Herren haben.
    Auslagern gehört generell endlich verboten
    Nein, wir sind an einem Punkt, wo der Staat Regeln vorgeben muß, wer sich nicht dran hält, geht in den Knast.
    Vielleicht müssen wir mal für eine Weile knallhart sein, bis sich die Verhältnisse hier wieder normalisiert haben. Unsere Gier-Wirtschaft ist völlig aus dem Ruder gelaufen
    Je mehr Kündigungen, je höher der Aktienkurs, das ist nur noch krank und gehört beendet

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