Interview mit Utz Claassen
„Mir geht es um Wahrheit und Rechtmäßigkeit" 

Der Prozess zwischen Solar Millenium und Ex-Chef Utz Claassen hat begonnen. Im Handelsblatt-Interview hat der umstrittene Manager vorab über die Zeit vor und nach seinem Ausscheiden aus dem Solarkonzern gesprochen.
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Handelsblatt: Herr Claassen, Sie sind eine der umstrittensten Persönlichkeiten der deutschen Wirtschaft. Wie geht es Ihnen heute, knapp 18 Monate nach Ihrem Ausscheiden bei Solar Millennium?

Utz Claassen: Heute geht es mir gut. Aber zunächst war ich längere Zeit krank. Ich hatte einen Bandscheibenvorfall und war zeitweise fast vor Schmerzen paralysiert.

Sie wirken wieder fit, um nicht zu sagen: ausgeruht und kampfeslustig.

Die Zeit der Schmerzen ist jedenfalls glücklicherweise vorbei. Jetzt gehe ich wieder meinen verschiedenen Tätigkeiten nach: Etwa meiner Arbeit an Universitäten, meinem Einsatz für innovative Materialien für die Medizintechnik und meinem Engagement beim Fußballclub RCD Mallorca....

...und an diesem Freitag beginnt der Prozess gegen Ihren früheren Arbeitgeber, den Kraftwerksbauer Solar Millennium, dem Sie nach nur 41 Tagen im Amt des Vorstandschefs zum ersten Mal gekündigt und den Sie nach weiteren 33 Tagen dann endgültig verlassen haben. Worum geht es Ihnen in diesem Prozess?

Um Wahrheit und Rechtmäßigkeit.

Wieso haben Sie sich eigentlich als Ex-Vorstand des VW-Konzerns und als Ex-Vorstandschef des Energiekonzerns EnBW 2009 für den Chefposten des relativ kleinen Mittelständlers beworben?

Ich habe mich nicht beworben. Ich bin von einer der größten Banken der Welt angesprochen worden, ob ich mit dem Aufsichtsrat ein Gespräch führen würde. Und natürlich hat meine noch heute vorhandene Begeisterung für die solarthermische Stromerzeugung eine Rolle gespielt.

Und die Gespräche mit dem Aufsichtsrat haben Sie offenbar überzeugt?

In den Gesprächen hat man sehr große Anstrengungen unternommen, um mich für das Unternehmen zu gewinnen. Da ich das Unternehmen kaum kannte, habe ich um seinen Businessplan gebeten. Dieser ist dann sogar elementarer Bestandteil des Dienstvertrags geworden. Man sicherte mir dienstvertraglich ausdrücklich zu, dass der Businessplan seriös sei. Und dass die geplanten Umsätze mit als konkret bzw. wahrscheinlich einzustufenden Projekten hinterlegt seien.

Was sich dann als so nicht richtig erwies, wie die Firma ja mittlerweile selbst einräumt.

Ist das nicht unglaublich? Ich wäre nicht eine einzige Sekunde auf die Idee gekommen, dass dieser Businessplan – wie der Aufsichtsrat inzwischen gegenüber dem Gericht eingeräumt hat – in Wahrheit keine gültige Konzernplanung war.

Sondern?

Sondern ein offenbar vorrangig zur Beifügung zu meinem Dienstvertrag entstandenes Zahlenwerk. Das ich persönlich aus heutiger Sicht eher als ,Konstrukt’ bezeichnen würde.

Kommentare zu " Interview mit Utz Claassen: „Mir geht es um Wahrheit und Rechtmäßigkeit" "

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  • Herr Claasen hat doch Recht. Der soll die fertig machen.

    SolarMillenium hat kriminell gehandelt. Es wäre gut wenn sich der Staat die Geschichte auch noch mal anschaut, denn wenn Leute so betrügerisch handeln, könnte ich mir gut vorstellen das dort auch massiver Subventionsbetrug vorlag. Wer einmal lügt dem glaubt man nicht. Die haben sicher noch mehr Dreck am stecken. Da sollte man die Köpfe dieser Steuergeldverschwendungsfirma vielleicht mal ein weig einbuchten und privat haften lassen - wenn Betrug im Spiel war ist das machbar.

  • Die Unternehmensführung, insbesondere die Öffentlichkeitsarbeit von Solar Millennium sind wirklich schlecht, aber diese scheinheilige Argumentation des Herrn Claassen ist wirklich nicht nachzuvollziehen. Er spricht von den "ganz, ganz, ganz tollen" Mitarbeitern, hat aber keine Skrupel auf die Zahlung der 9 Millionen plus weitere zu bestehen und deren ohnehin unsicheren Arbeitsplätze noch mehr zu gefährden. Statt dass sich dieser vermögende Mann geordnet zurückzieht muss ein Spektakel inklusive Schlammschlacht folgen. Dies ist nicht anders als mit Gier und Egomanie zu erklären.

  • Immerhin macht er das einzig richtige. Die satten Subventionstöpfe der Solarindustrie abschöpfen. Und sei es mit einer millionen-schweren "Antrittsprämie", die für nen paar Wochen "Arbeit" gezahlt wird. Hoffentlich hat dieser Solarspuk bald ein Ende.

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