Interview
Post-Direktor: Bei gesunden Leuten Boni für die Chefs

Andreas Tautz ist Direktor Gesundheitsmanagement bei der Deutschen Post World Net, die wie im Vorjahr das Gesundheitsmanagement-Ranking anführt. Im Interview beschreibt er die Strategie des Konzerns, die schon beim 20 Jahre alten Paketzusteller ansetzt.

Herr Tautz, wie stellen Sie in so einem großen Unternehmen sicher, dass Ihre Strategie auch umgesetzt wird und nicht nur Lippenbekenntnis ist?

Zum Beispiel indem es Motivationsinstrument für unsere Führungskräfte ist. Gesundheitsmanagement ist Bestandteil der Zielvereinbarung unserer Manager. Fehlzeiten und Unfälle ihrer Mitarbeiter gehen in ihre eigenen Beurteilungen ein. Gesundheitsmanagement ist ein wesentlicher Bestandteil der Weiterbildung. Eine länder- und unternehmensübergreifende Berichterstattung soll ein Konzernbenchmarking ermöglichen. Der Hintergrund ist auch die Erkenntnis, dass die Identifikation mit dem Unternehmen, vor allem die gefühlte Wertschätzung der eigenen Arbeit ein essenzieller Faktor für das Wohlbefinden und damit die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter ist. Das Ziel ist, die Fehlzeiten zu senken und die Produktivität zu steigern.

Sie machen also die Vorgesetzten verantwortlich für kranke oder gesunde Mitarbeiter?

Gesundheitsmanagement ist ein Top-down-Prozess, die Führungskräfte stehen in der Verantwortung.

Und welche Maßnahmen gibt es zum Beispiel bei der Post?

Zum Beispiel Kurse, wie man als Paketzusteller am besten – rückenschonend – Pakete hebt. Und zwar schon als Auszubildender. Denn wer erst mal 20 Jahre lang falsch hebt, ist schwer umzutrainieren. Wir bieten Beratungen zu zig verschiedenen Themen von Sucht- bis Ernährungsberatung oder Maßnahmen wie Massagen, aber auch Aktionen zu gutem Sehen oder wie etwa 140 000 Schrittzähler zu verteilen – und zwar bewusst nicht an die Zusteller, sondern die Mitarbeiter an den Schreibtischen.

Messen Sie jeweils den Erfolg?

Bei so einer Aktion wie Schrittzähler-Verteilen nicht, aber bei allem anderen wie Herz-Kreislauf-Screenings oder den Gesundheitsfödermaßnahmen vor Ort schon. Die Devise der Post lautet: Was man nicht messen kann, kann man auch nicht managen. Die Niederlassungen berichten der Zentrale Monat für Monat, und daraus werden dort Gesundheitsberichte erstellt. Nur so kann ein Problembereich im Konzern zeitnah identifiziert und gegengesteuert werden.

Und wie viele Leute kümmern sich ums Gesundheitsmanagement der Post?

Eine ganze Menge: Allein in Deutschland sind vier in meiner Abteilung für Gesundheitsmanagement, 50 sind Betriebsärzte, acht sind Fallmanager für Gesundheitsförderung, 190 sind Ingenieure für die Arbeitssicherheit und 122 sind Sozialberater.

Die Fragen stellte Claudia Tödtmann.

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