Interview
Wie Firmen Hochwasser-Schäden vermeiden können

Wenn ein Unternehmen von Hochwasser betroffen ist, kann der Schaden schnell existenzbedrohend werden. Wie man finanziellen Verlusten vorbeugt, weiß Hochwasserrisiko-Fachmann Wilfried Baumann.
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DüsseldorfDauerregen herrscht auch in Freiburg. Viele Pegel in der Region melden Hochwasser und die Feuerwehr ist ständig im Einsatz – auch bei vielen Unternehmen. Ihnen setzt das Hochwasser schwer zu, dabei wären viele Schäden vermeidbar. Ein Gespräch mit Wilfried Baumann, der für Hochwasser und Umwelt zuständige Ansprechpartner beim Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag (BWIHK).

Herr Baumann, was genau heißt HQextrem?

Bei Hochwasser spricht man häufig von HQ10 oder HQ50 oder HQ100. Das sind Hochwasserereignisse, wie sie statistisch gesehen einmal in 10, beziehungsweise 50 oder 100 Jahren vorkommen. Ereignisse, die statistisch noch viel seltener sind, werden als HQextrem bezeichnet, manche reden auch von 500-jährigen oder 1000-jährigen Hochwasser. Das klingt, als würde man es nie erleben, aber leider häufen sich diese Extremereignisse.

Vorbeugen ist ja besser, als hinterher aufräumen zu müssen: Gibt es Schäden, die Unternehmen eigentlich vermeiden könnten?

Sicherlich ja, sowohl durch technische als auch durch organisatorische Maßnahmen. Das kann aufwändig sein, wenn etwa Fässer höher gelagert werden sollten. Es kann aber auch ganz einfach und trotzdem wichtig sein, wenn zum Beispiel Notfallnummern oder Ansprechpartner in Notfallplänen aktuell gehalten werden müssen.

Was können Firmen tun, um sicher Hochwasserschäden zu vermeiden?

„Sicher“ im Sinne von vollständig vermeiden kann man solche Naturgewalten leider nicht. Aber man kann sie minimieren, angefangen von Sensibilisierung im Unternehmen bis zu konkreten Planungen und Übungen, wer was in welchem Fall tun soll und wer wen informiert etc.

Wie wichtig ist es, für den Notfall einen Krisenmanagementplan in der Schublade zu haben und was muss dabei beachtet werden?

Sehr wichtig, ein solcher Plan ist das A und O. Gerade weil Hochwasser zum Glück vergleichsweise selten auftritt, geht die Thematik im Alltagsgeschäft meist unter und wenn es dann soweit ist, soll alles sehr schnell gehen. Besonders wichtig für Unternehmen ist die Abstimmung ihrer Pläne mit den kommunalen Alarm- und Einsatzplänen und die Festlegung des Informationsflusses und möglicher Transportwege im Vorfeld. Zu beachten ist dabei zum Beispiel, dass in Notfällen ggf. die Telefonverbindung gestört oder Zufahrtswege überschwemmt sind.

Gibt es Hilfe für die Erstellung eines solchen Notfallplans?

Ja, hierzu gibt es verschiedene Leitfäden zum Beispiel von behördlicher Seite oder auch von den Sachversicherungen. Von großer Bedeutung ist dabei die Frage für potentiell Betroffene, ob ihr Grundstück denn im Einzugsbereich solcher seltenen Hochwasserereignisse liegt. Dazu werden derzeit bundesweit Hochwassergefahrenkarten erarbeitet, die zum Teil schon im Internet veröffentlicht sind oder bis zum Jahresende veröffentlicht werden. In vielen Gebieten wird sich die Veröffentlichung allerdings noch verzögern, weil die notwendigen Vorarbeiten und Berechnungen sehr komplex sind.

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Auf den Ernstfall vorbereiten mit „nasser Vorsorge“

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