Interview zur Bayern-Aufsichtsratssitzung: „Es war eine feige Entscheidung der Sponsoren“

Interview zur Bayern-Aufsichtsratssitzung
„Es war eine feige Entscheidung der Sponsoren“

Die Entscheidung des Bayern-Aufsichtsrats, Uli Hoeneß das Vertrauen zu schenken, stößt bei Manuel René Theisen auf heftige Kritik. Der Professor ist Experte für Regeln guter Unternehmensführung. Diese sieht er verletzt.

DüsseldorfDer Aufsichtsrat der FC Bayern München AG hat am Montag entschieden, dass der Vorsitzende Uli Hoeneß nicht das Amt ruhen lassen oder niederlegen soll. Hoeneß hat sich wegen Steuerhinterziehung selbst angezeigt und mehrere Millionen Euro Steuern nachgezahlt. Das Ermittlungsverfahren läuft weiter.

Herr Theisen, wie bewerten Sie die Entscheidung des Bayern-Aufsichtsrats aus Sicht der Corporate Governance, also der Regeln guter Unternehmensführung?

Die Entscheidung ist nicht nachzuvollziehen. Erklärbar wird sie nur, wenn man annimmt, dass sich die FC Bayern AG selbst einen Sonderstatus zubilligt: Dass sie eben nur ein Fußballclub im Kleid einer Aktiengesellschaft ist. Doch für einen Fußballverein, der als AG organisiert ist, gibt es keinen anderen Maßstab im Hinblick auf gute Corporate Governance. Alles andere hätte mit dem Aktienrecht nichts mehr zu tun.

Also wäre der FC Bayern ein Dax-Konzern, hätte Hoeneß nicht Aufsichtsratschef bleiben könnte?

Keine „richtige“ AG könnte sich so verhalten. Wer zugibt, dass er Steuern hinterzogen hat, kann keinen Aufsichtsrat führen. Das ist unvorstellbar. Es geht ja nicht um seine Verdienste. Es geht darum, dass eine AG ordentlich geführt und überwacht werden muss, wie es das Gesetz verlangt.

Wie bewerten Sie das Verhalten von Top-Vorständen wie Herbert Hainer (Adidas), Martin Winterkorn (VW), Rupert Stadler (Audi) oder Timotheus Höttges (Deutsche Telekom), die im Aufsichtsrat sitzen und die Entscheidung herbeiführten?

Es war eine feige Entscheidung der Sponsoren, weil sie vermutlich Angst um ihr investiertes Geld haben. Solange die gefühlte Mehrheit auf der Seite von Uli Hoeneß steht, trauen sie sich nicht, ihn abzusetzen. Dabei ist es ihr Job, Schaden von der FC Bayern AG abzuwenden und eine ordentliche Führung sicherzustellen.

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