Investmentbank entlässt leitende Mitarbeiter
John Mack räumt bei Morgan Stanley auf

Der Chef der Investmentbank Morgan Stanley, John Mack, wird seinem Ruf wieder einmal gerecht: Der 57-Jährige, der sich als harter Sparkommissar den Spitznamen "Mack the Knife" erworben hat, zieht die Konsequenzen aus dem schlechten Abschneiden des Wall-Street-Hauses und wird etwa zwei Dutzend leitende Investmentbanker entlassen.

HB FRANKFURT/M. Bis zu 25 geschäftsführende Direktoren in den weltweiten Niederlassungen würden in dieser Woche informiert, dass sie nicht mehr gebraucht werden, hieß es aus Kreisen, die mit den Plänen vertraut sind. Morgan-Stanley-Sprecher James Badenhausen wollte die Entlassungswelle nicht kommentieren.

Während die Konkurrenz wie Goldman Sachs und Lehman Brothers im dritten Quartal Rekordergebnisse bejubelte, musste Morgan Stanley als einzige der großen Investmentbanken an der Wall Street einen niedrigeren Gewinn ausweisen als im Vorjahreszeitraum.

Morgan Stanley steckt noch immer mitten in einer schwierigen Übergangsphase. Mack war erst im Juni nach einem monatelangen Machtkampf zwischen dem damaligen Chef Phil Purcell und einigen Altaktionären an die Spitze der Bank gerückt. Im August hatte Mack bereits angekündigt, dass bis zu 1 000 Wertpapierhändler die Bank verlassen müssen. Er hat aber auch Aufsichtsratmitglieder und Führungskräfte, darunter John Schaefer, Leiter des Privatkunden-Brokergeschäfts, und Mitchell Merin, Chef des Bereichs Vermögensverwaltung, aus der Bank gedrängt.

Morgan Stanley beschäftigt weltweit über 1 000 Managing Directors. Dabei handelt es sich um den höchsten Rang, den ein Investmentbanker erreichen kann. Traditionell werden in den Investmentbanken zum Jahresende die prestigeträchtigen Bonuszahlungen festgesetzt, gleichzeitig wird entschieden, wer eine Zukunft in der Bank hat und wessen Karriere in einer Sackgasse gelandet ist. Zahlreiche Geldhäuser trennen sich Jahr für Jahr regelmäßig von bis zu zehn Prozent ihrer Belegschaft. An Stelle dieser Mitarbeiter, die den Anforderungen nicht gerecht wurden, stellen die Banken junge Universitätsabsolventen ein.

Gestern kündigte Mack an, er wolle innerhalb von fünf Jahren den Gewinn verdoppeln. Auf einer Investorenkonferenz in New York forderte der Vorstandschef Verbesserungen "in fast allen" Geschäftsbereichen. "Unsere Performance hinkt hinter der Branche her, daran ist nicht zu rütteln." Mack gilt als einer der erfahrensten Banker an der Wall Street.

Die Stelle als Vorstandschef ist bereits seine zweite Karriere bei Morgan Stanley. Nach seinem ersten Einstieg 1972 in die Abteilung für Anleihen kletterte er rasch in der Hierarchie nach oben. 20 Jahre später übernahm er die Verantwortung für das gesamte Tagesgeschäft. 1997 fusionierte Morgan Stanley mit dem Konkurrenten Dean Witter. Die Führung des neuen Unternehmens übernahm der damalige Dean-Witter-Chef Purcell, Mack rückte als President an die zweite Stelle.

Doch damit wollte sich der ehrgeizige Banker nicht abfinden. Es kam zum Streit um den Stabwechsel an der Führungsspitze. 2001 verließ Mack die Bank, für die er fast 30 Jahre lang gearbeitet hatte, und wechselte zum Schweizer Bankriesen Credit Suisse. Dort sanierte er das Investment-Banking und rückte 2003 zusammen mit Oswald Grübel an die Spitze des Instituts. Doch erneut verlor er den Machtkampf um die alleinige Führung und trat Ende Juni 2004 überraschend zurück.

So war Mack frei, als eine Reihe von einflussreichen Aktionären eine Revolte gegen Morgan-Stanley-Chef Purcell anzettelte und ihn nach monatelangen Querelen aus der Bank drängte. Unter Purcells Ägide war der Aktienkurs um 40 Prozent abgesackt. Bislang ist aber auch Mack keine Trendwende gelungen. Zumindest eine kleine Trendwende ist Mack gelungen. Seit Juni hat die Aktie von Morgan Stanley wieder an Wert gewonnen.

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