Investmentbanker Diamond: Stühlerücken in der Chefetage von Barclays

Investmentbanker Diamond
Stühlerücken in der Chefetage von Barclays

Der Investmentbanker Bob Diamond wird neuer Chef der britischen Großbank Barclays. Der bisherige Chef der Investment-Sparte wird Ende März John Varley ablösen.
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LONDON. Die Karriere des Robert Diamond zeigt, dass es sich lohnen kann, die ungeschriebenen Gesetze der Finanzbranche zu ignorieren. Vor sieben Jahren verlor der Amerikaner den internen Machtkampf um die Vorstandsspitze der britischen Großbank Barclays gegen seinen Rivalen John Varley und damals erwarteten die meisten, dass der Verlierer nach einer angemessenen Schamfrist das Feld räumen würde. Aber der 59-Jährige hielt durch, und im zweiten Anlauf hat er es jetzt geschafft. Diamond, der oberste Investmentbanker von Barclays, wird im März seinen bisherigen Vorgesetzten Varley ablösen.

Schon damals, vor sieben Jahren, ging Diamond eigentlich als Favorit ins Rennen um den Spitzenjob. Gilt der sportbegeisterte Fan des FC Chelsea doch als charismatisch und kommunikativ, während Varley seinen Ruf als farblos und trocken auch als Vorstandschef nie wirklich loswurde.

Seinen wichtigsten Coup landete Diamond mitten in der Finanzkrise. 2007 sicherte sich der Banker quasi im Handstreich große Teile der kollabierten Investmentbank Lehman Brothers zum Schnäppchenpreis von 1,75 Mrd. Dollar. Der tollkühne Deal führte Barclays in die Topliga der internationalen Investmentbanken.

Mit Geschick durch die Finanzkrise

Mit Glück und Geschick steuerten Varley und Diamond Barclays durch die Stürme der Finanzkrise. Zwar kam das zweitgrößte britische Geldhaus ohne Staatshilfe aus und schrieb durchweg schwarze Zahlen, allerdings musste sich die Bank von der florierenden Fondstochter BGI trennen, um sich frisches Kapital zu besorgen. Einige Analysten monierten, dass dadurch die Abhängigkeit vom schwankungsanfälligen Investment-Banking noch offensichtlicher werde – eine Sorge, die durch den Aufstieg des Investmentbankers Diamond nicht kleiner werden dürfte.

Auch in der britischen Politik hat der neue Barclays-Chef nicht nur Freunde. Ex-Wirtschaftsminister Peter Mandelson nannte ihn „das nicht akzeptable Gesicht der Banken“. Der Labour-Politiker störte sich vor allem an Diamonds Gehalt. Zwar verzichtete der Banker in den vergangenen beiden Jahren auf einen Barbonus, kassierte 2007 aber 21 Mio. Pfund und 2009 rund 26 Mio. Pfund für den Verkauf seiner Anteile an BGI. Als Vorstandschef wird Diamond dagegen nur noch maximal 11,5 Mio. Pfund verdienen, inklusive Boni.

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