Investmentbanker Klaus Diederich
Der deutsche Dealmacher

Die US-Großbank JP Morgan Chase gehört sicher zu den großen Gewinnern im europäischen Investment-Banking des ersten Halbjahres. In der Königsdisziplin, der Beratung von Fusionen und Übernahmen (M&A), schaffte die Bank den Sprung auf den ersten Platz. Als einziges Haus war JP Morgan bei acht der zehn größten Übernahmen dabei. Maßgeblich mitverantwortlich für diesen Erfolg ist ein Deutscher.

LONDON. Klaus Diederichs gehört sicher zur ruhigeren, bodenständigeren Sorte von Investmentbankern. Vielleicht liegt es an diesem Charakterzug, dass der 50-Jährige nicht zu den schillernden Stars der Branche zählt. Aber Diederichs gehört ganz sicher zu den international einflussreichsten deutschen Bankern.

Völlig untypisch für einen Investmentbanker verbrachte Diederichs sein gesamtes Berufsleben bei einem einzigen Arbeitgeber. Gleich nach dem Studium stieg er 1980 bei JP Morgan ein, seit 1985 lebt er in London. Heue leitet der groß gewachsene Mann das europäische Investment-Banking von JP Morgan Chase. Außerdem sitzt Diederichs im Executive Committee, dem höchsten Führungsgremium der Großbank. Im ersten Halbjahr hat JP Morgan beispielsweise Arcelor im Kampf gegen Mittal Steel, und Endesa gegen Eon verteidigt. Außerdem beraten die Amerikaner Xstrata bei der geplanten Übernahme von Falconbridge und Suez beim Zusammenschluss mit Gaz de France. Alles Transaktionen mit einem Wert von über 20 Mrd. Dollar. Londoner Konkurrenten akzeptieren zwar den Erfolg von JP Morgan, wenden aber ein, dass die Amerikaner wie andere Großbanken auch, versuchen, sich mit der Vergabe von umfangreichen Krediten, einen Vorteil im Kampf um M&A-Mandate zu verschaffen. „JP Morgan hat eine sehr große Bilanz, und die nutzt die Bank, um attraktive Aufträge zu gewinnen“, sagt ein angelsächsischer Wettbewerber. Reinrassige Investmentbanken wie Goldman Sachs, Morgan Stanley oder Lehman Brothers arrangieren und strukturieren zwar Finanzierungen, geben selbst aber in der Regel keine Großkredite an Firmen.

Diesen Vorwurf will Diederichs nicht gelten lassen: „Große strategische Übernahmen sind viel zu wichtig, als dass sich Vorstände auf solche Argumente einließen. In diesen Fällen kommt es nur auf die Qualität der M&A-Beratung an, sagt er. Bei sechs der acht größten Deals im ersten Halbjahr habe JP Morgan nur beraten und nicht finanziert.

Für die nächsten Monate zeigt sich Diederichs optimistisch. Trotz des Kurseinbruchs an den Aktienbörsen im Mai und Juni rechnet er mit einer Fortsetzung des M&A-Booms: „Das Interesse der Unternehmen an Zukäufen hat nicht nachgelassen, im Gegenteil unsere Pipeline ist noch immer besser gefüllt als zu Anfang dieses Jahres“, betont er. Die Bilanzen der meisten Konzerne seien nach wie vor ausgesprochen robust; außerdem hätten die Manager aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Derzeit gebe es keine Zeichen für eine Überhitzung des M&A-Marktes. „Die für Übernahmen bezahlten Prämien sind zwar seit Anfang des Jahres in Richtung 25 Prozent gestiegen, aber noch weit von den 40 Prozent entfernt, die Ende der 90er-Jahre bezahlt wurden“, sagt Diederichs.

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