Investmentgesellschaft vor Gericht
Ex-AIG-Chef Greenberg: Ein Titan im Zwielicht

Zur Kritik an seinen Nachfolgern musste man Maurice Greenberg nie lange bitten: Jedes Fernsehinterview, jede Anhörung im Kongress war gut genug, um die neuen Chefs des amerikanischen Versicherungsriesen AIG zu verunglimpfen. Doch damit ist jetzt Schluss: Seit Montag steht der Mann, der den Konzern mehr als vier Jahrzehnte mit eiserner Hand regierte, mit seiner Investmentgesellschaft vor Gericht.

NEW YORK. Seit Montag steht Ex-AIG-Chef Maurice „Hank“ Greenberg unter Beschuss und seine Investmentgesellschaft Starr International Co (Sico) vor Gericht. Der Grund: Greenbergs Investmentgesellschaft Sico soll sich 2005 unrechtmäßig 290 Millionen AIG-Aktien angeeignet haben, die eigentlich für ein Vergütungsprogramm der Mitarbeiter vorgesehen waren – Wert rund 3,1 Mrd. Euro.

Schon heute könnte der 84-jährige Greenberg als Zeuge aussagen und damit den Höhepunkt einer Schlammschlacht einläuten, die sich bereits 2005 abzeichnete: Damals musste der Mann der AIG durch zahlreiche Akquisitionen zur dominierenden Adresse der Branche weltweit gemacht hatte, inmitten von Vorwürfen zu Falschbilanzierung seinen Hut nehmen.

Das muss den Versicherungsdoyen, der sich mit Mächtigen aus Wirtschaft und Politik in der ganzen Welt zum Plaudern traf, tief getroffen haben. Die Schmach soll er bis heute nicht verwunden haben. Genauso wenig wie den Absturz des einstigen Branchenprimus, der im vergangenen Jahr rund 100 Mrd. Dollar Verlust einfuhr und binnen weniger Monate dreimal nacheinander vom Staat vor der Pleite gerettet werden musste. Die amerikanischen Steuerzahler kostete die Aktion bislang rund 182,5 Mrd. Dollar. Einen kleinen Teil davon will AIG jetzt schon zurückzahlen, so man gegen Greenberg vor Gericht gewinnt.

Das wäre kurios, denn bis zur Verstaatlichung war Greenberg AIG's größter Einzelaktionär und hielt rund elf Prozent der Aktien. Doch ob Greenbergs Sico das Vermögen tatsächlich an AIG zurückführen muss ist unklar – die Rechtslage ist verzwickt: AIG beruft sich auf eine mündliche Absprache mit Sico aus dem Jahr 1970 und die Gründung einer Stiftung, die die AIG-Aktien treuhänderisch verwalten sollte. Sico und Greenberg bestreiten dies. Und verklagen ihrerseits die AIG auf die Herausgabe von Kunstwerken und Immobilien im Wert von 15 Mill. Dollar, im März warf Greenberg dem AIG-Management Betrug vor. Man habe ihn bei der Zuteilung von Aktien im Rahmen seiner Abfindung falsch über die finanzielle Lage der Firma informiert und ihm Risiken bei den Kreditderivaten verschwiegen. Damals waren die Aktien, die er im Januar 2008 erhalten hatte statt 54 Dollar gerade noch 42 Cent wert.

Doch so weit die Kontrahenten auch auseinander gedriftet sind, eines eint sie trotz mieser Finanzlage: Beide haben Star-Anwälte für den Kampf der Titanen verpflichtet.

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