Irene Rosenfeld
Käsekönigin statt Präsidentin

Irene Rosenfeld, Chefin des Konsumgüterriesen Kraft Foods, gehört zu den wenigen Frauen im Topmanagement von Großkonzernen - jetzt greift sie nach Cadbury.

DÜSSELDORF. Es geht sauertöpfisch zu am Hofe der Herrscherin über Käse, Kekse und Ketchup. In der Zentrale des weltweit zweitgrößten Lebensmittelkonzerns, 20 Meilen nördlich von Chicago, herrsche, so unken Kritiker, die Parole "Humorfrei".

Am Erfolg der gestrengen Kraft-Foods-Vorstandschefin Irene Rosenfeld hat das all die Jahre wenig geändert - zumal sie sich seit Montag zumindest ein leichtes Zucken des Mundwinkels erlauben dürfte. Man beabsichtige, so teilte das Unternehmen mit, sich den britischen Schokoladenhersteller Cadbury einzuverleiben. Ein Coup, der in der krisengeschüttelten US-Konsumbranche für Furore sorgt.

"Wir glauben, dass die Kombination unserer Firmen eine Wertsteigerung für Teilhaber beider Unternehmen bedeuten würde", schrieb Rosenfeld in einem offenen und zuckersüßen Brief an Cadbury-Chef Roger Carr. Sie freue sich auf konstruktive und freundliche Diskussionen und hege ansonsten Respekt und Bewunderung für das Unternehmen.

Dabei hat Rosenfeld, die während ihres Studiums an der New Yorker Cornell University über die Psychologie der Werbung forschte und im Bereich Marketing promovierte, Schokolade bislang wenig abgewinnen können. Vielmehr verspeise sie privat am liebsten die gelb-cremige Kalorienbombe "Macaroni and Cheese" aus dem Hause Kraft. "Cheese Queen" (Käsekönigin) hat sie deshalb das US-Magazin "Fortune" getauft. Demnächst könnte der Titel Schokoschnitte dazukommen.

Weggefährten loben Rosenbergs "Turn-around-Mentalität". Der frühere Kraft-Manager und heutige Mattel-Chef Robert Eckert nennt sie "Problemlöserin mit einem fast laserähnlichen Fokus, Geschäfte zu verbessern". An die Spitze eines Großkonzerns, kletterte sie vor allem deshalb, weil es ihr in der Vergangenheit immer wieder gelungen ist, totgesagten Marken neues Leben einzuhauchen. Ähnliches wird ihr bei Cadbury vorschweben.

Und nicht zuletzt den Koloss Kraft Foods hat Rosenfeld wieder nach vorne gebracht. Im zweiten Anlauf. Im ersten verließ sie den Konzern nach 22 Jahren - als die Marktanteile und Margen des erfolgsverwöhnten Unternehmens anfingen zu schrumpfen, die Marken zu verstauben und die Stimmung in der Belegschaft zunehmend sank. Schuld war ein schlichtweg überfordertes Management, dass sich hinter wüster Bürokratie verschanzte.

Neben der damaligen Leiterin des Nordamerika-Geschäfts verließen innerhalb kurzer Zeit viele weitere Topmanager den Konzern. Während Rosenfeld als Chefin des zehn Milliarden Dollar schweren US-Snackherstellers Frito-Lay eine erfolgreiche Zwischenetappe absolvierte, ging es mit Kraft Foods weiter bergab. Unter dem Konzerndach des Tabak-Riesen Altria fabrizierte die Nahrungsmittelfabrik zwar viel Käse, aber wenig Innovatives.

Bis Powerfrau Rosenfeld, die nach eigenen Angaben schon fast jede existierende Sportart ausprobiert hat, 2006 in den Konzernschoß zurückkehrte. Analysten empfingen die frühere High-School-Basketballerin allerdings reserviert - was mehr an den Perspektiven des Unternehmens gelegen haben dürfte, als an der 56-Jährigen selbst. Als 2007 mit Nelson Peltz, der zu dem Zeitpunkt Beteiligungen an Heinz und Cadbury-Schweppes hielt und einen Drei-Prozent-Anteil an Kraft erwarb, ein aggressiver und milliardenschwerer Investor dazu stieß, begann die Börse wieder zu jubeln.

Als Kind wollte Rosenfeld Präsidentin der Vereinigten Staaten werden. Dafür hat es nicht gereicht. Aber immerhin schaffte es die Kraft-Foods-Chefin auch in diesem Jahr wieder unter die Top Ten im Forbes Ranking der weltweit erfolgreichsten Frauen - zusammen mit Michele Obama und Angela Merkel.

Annika Reinert
Christine Weißenborn
Handelsblatt / Redakteurin
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