Irene Rosenfeld und Kraft Foods
Nicht immer diese Frauenfragen!

Irene Rosenfeld will den Nahrungsmittelriesen Kraft Foods aus der Krise führen. Ihr Können hat sie bereits mehrfach unter Beweis gestellt. Auf Frauenfragen reagiert sie daher besonders allergisch.

NEW YORK. Dieses ganze Frauen-Getue geht Irene Rosenfeld auf die Nerven. Als Carly Fiorina Chefin des Computerriesen HP wurde, begann in den US-Medien eine Diskussion, was sie in ihrem privaten Leben wohl habe aufgeben müssen, um dorthin zu gelangen. Rosenfeld giftete damals nur: „Bei Männern fragt das auch keiner. Das macht mich echt wütend.“

Seit einer Woche ist die 53-jährige Spitzenmanagerin nun selbst Chief Executive Officer (CEO). Sie soll als Chefin von Kraft Foods den zweitgrößten Nahrungsmittelkonzern der Erde aus der Krise führen. Und ein Manager aus der Branche, der nicht genannt werden möchte, rät Kollegen denn auch nur eines: „Sollten Sie sie einmal treffen, fragen Sie bloß nicht, wie man als Frau Job und Familie unter einen Hut bringen kann.“

Denn dass sie das kann, hat die gebürtige New Yorkerin mit einem Doktortitel in Marketing, einem Master of Science in Betriebswirtschaft und dem Bachelor of Arts in Psychologie längst unter Beweis gestellt. Nach dem Berufsstart in der Werbebranche bei Dancer Fitzgerald Sample Advertising (heute Saatchi & Saatchi) verbrachte sie über 20 Jahre bei Kraft in Management-Positionen. Mitte 2003 – auf dem Höhepunkt ihrer Karriere als Chefin des Nordamerika-Geschäfts – verließ sie den Scheibletten-Konzern. Damals setzte sich nach einem Machtkampf Roger Deromedi durch. Ende 2003 stieg er zum Alleinherrscher auf. Sie ging zum Chipskonzern Frito Lay und ist jetzt zurückgekehrt, um den glücklosen Deromedi zu beerben.

Auf sie wartet eine heikle Aufgabe. Der Umsatz stagniert, die Rohstoffkosten steigen, und die Konsumenten wenden sich immer mehr gesunden Snacks zu. Kraft (Marken wie Philadelphia, Jacobs, Milka) muss hier aufholen und steckt mitten in einer massiven Umstrukturierung. An deren Ende sollen 40 Werke geschlossen, über 14 000 von 102 000 Stellen abgebaut und Randaktivitäten im Volumen von rund fünf Prozent des Gesamtumsatzes von rund 34 Milliarden Dollar verkauft sein.

Für Analysten wie David Nelson von Credit Suisse ist Rosenfeld, die ihr Meisterstück bei Kraft mit der Integration von Nabisco abgeliefert hat, dafür genau die Richtige. „Ihr profunder Marketing-Hintergrund“, so Nelson in einer Notiz an Investoren, „kann den Riesentanker Kraft wieder auf Kurs bringen.“

Für viele ist ihre Rückkehr das Zeichen, dass die völlige Herauslösung von Kraft aus dem Mutterkonzern Altria tatsächlich bevorsteht. Altria-Chef Louis Camilleri deutete an, sie sei die richtige Wahl, um Kraft einmal als „völlig unabhängiges Unternehmen“ zu leiten. Aber niemand sollte sie fragen, was man als Frau dafür alles aufgeben müsste, wenn es denn so weit ist.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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