Isaac Larian
Der Barbie-Jäger

Isaac Larian begann als kleiner Importeur von Textilien in den USA. Heute ist er mit seinen Bratz-Puppen fast so erfolgreich wie der große Mattel-Konzern. Jetzt will der gebürtige Iraner mit Zapf den deutschen Markt aufrollen.

NÜRNBERG. Wenn Isaac Larian seinen Gesprächspartnern beweisen will, dass er von ganz unten kommt, dann streckt er ihnen seine Hände entgegen. „Sehen sie die Narben?“ fragt der Mann im gepflegten grauen Anzug. „Das kommt vom heißen Geschirr, das ich in meinen Anfangstagen in Amerika als Tellerwäscher in die Hand nehmen musste.“

Vom Tellerwäscher zum Multimillionär: Für den gebürtigen Iraner hat sich ein uramerikanischer Traum erfüllt. Mit 17 flüchtete der Mann mit dem braunen Teint aus dem Orient in die Vereinigten Staaten. Ein Vermögen machte er als US-Vertriebspartner für die kleinen elektronischen Spiele des japanischen Nintendo-Konzerns. Heute ist der 52-Jährige eine der schillerndsten Figuren in der Freizeit- und Spielwarenbranche. Und das nicht nur in seiner neuen Heimat Kalifornien. Jedes Jahr verkauft er weltweit Puppen, Gartenrutschen, ferngesteuerte Autos und sogar DVDs für zwei Milliarden Dollar. Sein Unternehmen, die MGA Entertainment, ist einer der wenigen Gegenspieler, die die dominierenden, börsennotierten Spielwarenkonzerne Mattel und Hasbro wirklich zu fürchten haben.

Vor sechs Jahren erst hat Larian seinen bislang größten Hit, die „Bratz“-Puppen, erstmals in die Läden gebracht. Der Name lehnt sich an das Wort „Brat“ an, das im Englischen so viel wie Göre bedeutet. Inzwischen machen sich die frechen Püppchen mit ihren modischen Klamotten daran, „Barbie“ vom Thron zu stoßen. Über fast fünf Jahrzehnte beherrschte Mattel mit seinen langbeinigen Plastikpuppen die Kinderzimmer. Doch immer öfter verlangen junge Mädchen von ihren Eltern die provokative „Bratz“-Familie. Mit ihrem Schmollmund und ihren flippigen Kleidern entsprechen sie den TV-Vorbildern eher als die vergleichsweise braven „Barbies“.

Hier zu Lande erlangte Larian vergangenen Sommer eher zweifelhafte Berühmtheit. In einem Coup, wie es ihn in der deutschen Wirtschaft nur selten gegeben hat, kaperte der Unternehmer den angeschlagenen fränkischen Puppenhersteller Zapf Creation. Larian kaufte innerhalb weniger Tage 23 Prozent der Aktien des börsennotierten Unternehmens – und torpedierte damit ein freundliches Übernahmeangebot des japanischen Wettbewerbers Bandai. Inzwischen hat Larian, der längst amerikanischer Staatsbürger ist, das Sagen bei Zapf – obwohl er nach wie vor weit von der Mehrheit entfernt ist.

Nach außen gibt Larian stets den knallharten Manager, der vor allem durch seine markigen Sprüche auffällt. Auf der Hauptversammlung von Zapf im vergangenen August griff er Vorstandschef Georg Kellinghusen frontal an. Er werde die Firma ohne Rücksicht auf die Chefetage „auf Vordermann bringen“, ließ er durch seinen Anwalt verkünden. Vier Monate später trat Kellinghusen bereits bei Zapf ab. Nicht viel anders springt Larian mit der Konkurrenz um. Mattel habe die ganze Branche jahrelang eingeschüchtert und durch unfairen Wettbewerb behindert. „Doch wir machen das nicht mit.“ Deshalb treffen sich seine Anwälte und die von Mattel oft vor Gericht, wo sie sich beschuldigen, voneinander abzukupfern.

Wenn er denn könnte, tönt Larian, dann würde er die böse Konkurrenz am liebsten sofort aufkaufen und zur Vernunft bringen. Doch noch sei das Unternehmen zu teuer. „Wenn der Aktienkurs aber auf zwölf bis 13 Dollar gefallen ist, dann schlage ich zu“, sagt er auf dem Zapf-Stand auf der Spielwarenmesse in Nürnberg. Derzeit notiert das Mattel-Papier jedoch bei mehr als 24 Dollar, und der Konzern kommt auf eine Börsenkapitalisierung von mehr als neun Milliarden Dollar. Das dürfte selbst das Vermögen von Larian übersteigen, auch wenn er dazu keine Auskunft gibt. Nur so viel: „Wegen des Geldes arbeite ich schon lange nicht mehr.“

Seite 1:

Der Barbie-Jäger

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%