Isaac Larian
Die Puppen tanzen

Isaac Larian kennt nur ein Ziel: Er will die Nummer eins im Spielwarengeschäft werden. Wenn die Hauptversammlung heute zustimmt, stockt er seinen Anteil am angeschlagenen fränkischen Puppenhersteller Zapf weiter auf.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Ein Kind von Traurigkeit ist Isaac Larian nicht. Der leutselige Spielzeugunternehmer aus dem Iran feiert und isst gerne. In seiner Wahlheimat Los Angeles hat er längst sein Stückchen Heimat gefunden. Das persische Feinschmeckerlokal "The Flame“ am Westwood Boulevard, nur ein paar Meilen vom Millionärsparadies Beverly Hills entfernt, ist sein zweites Wohnzimmer. Der Stammtisch hinten in der Ecke gehört Larian.

Hier hält der Einwanderer hof, hier feiert er seine Siege, hier entwirft er seine Schlachtpläne. Und sollte eine der Bauchtänzerinnen vorbeikommen, kann sie sicher sein, dass Larian ihr etliche Dollarscheine in den mit bunten Plastiksteinen besetzten Büstenhalter steckt. Großzügigkeit ist wohl eine Tugend, die Larian in diesen Augenblicken pflegt.

Wenn es ums Geschäft geht, hört für den Mann mit der fliehenden Stirn aber der Spaß auf. Das mussten Mitarbeiter und Management des traditionsreichen fränkischen Puppenherstellers Zapf Creation in den vergangenen Monaten erfahren. Denn der Inhaber des kalifornischen Spielzeugkonzerns MGA Entertainment hat das schwer angeschlagene Unternehmen in wenigen Monaten komplett umgekrempelt. Dutzende Stellen fielen weg, in Einkauf, Vertrieb und Marketing blieb kein Stein auf dem anderen.

Heute holt der Ingenieur zum nächsten Schlag aus. Wenn die Hauptversammlung in Rödental wie erwartet zustimmt, kann Larian seinen Anteil über eine Kapitalerhöhung weiter ausbauen. Ende des Monats wird ihm dann rund ein Drittel an Zapf gehören. Das Bemerkenswerte dabei: Obwohl er nicht die Mehrheit besitzt, hat Larian längst das Sagen.

Dass er beim Hersteller von "Baby Born“ die Macht übernehmen will, daran hat der eiserne Unternehmer aus Kalifornien nie Zweifel aufkommen lassen. In einem Coup kaperte der Unternehmer den angeschlagenen Puppenproduzenten. Im Sommer 2006 kaufte Larian innerhalb von wenigen Tagen 23 Prozent der Aktien des börsennotierten Unternehmens – und torpedierte damit ein freundliches Übernahmeangebot des japanischen Wettbewerbers Bandai.

Dann ging alles ganz schnell: Über mehrere Verträge band Larian seine Neuerwerbung eng ans eigene Unternehmen. So verkauft MGA jetzt die Zapf-Puppen in Amerika und lastet damit gleichzeitig seine eigenen Vertreter besser aus. Zapf hingegen vertreibt MGA -Artikel in Europa. So spart sich Larian seinen Außendienst im für ihn fremden Europa. Zudem bündelte er den Einkauf in Fernost. Durch die größere Beschaffungsmenge können jetzt Zapf und MGA sparen.

Um die Übernahme unter Dach und Fach zu bekommen, ist er sogar von Los Angeles zum Firmensitz im abgelegenen Rödental gereist, unweit von Coburg. Noch heute schwärmen er und seine Frau von der grünen Hügellandschaft und den mit Kiefernzapfen gerösteten Coburger Bratwürsten.

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