IT-Branche
Samuel Palmisano: Mit der Gelassenheit des Bären

Mit Krisen hat IBM-Chef Samuel J. Palmisano so seine Erfahrungen. Jetzt nutzt er die schweren Zeiten, um sein Unternehmen für die Zukunft fit zu machen: Für 6,5 Milliarden Dollar will er den Konkurrenten Sun Microsystems schlucken.

NEW YORK. Mitten in der schwersten Rezession seit Menschengedenken nicht nur klug zu reden, sondern auch zu handeln, erfordert Mut. IBM-Chef Samuel J. Palmisano hat offenbar diese Courage und plant gerade jetzt die größte Übernahme der Geschichte seines Konzerns. Mindestens 6,5 Mrd. Dollar will der IT-Gigant Medienberichten zufolge für den Konkurrenten Sun Microsystems auf den Tisch blättern und sich so Zugang zu wichtigen Internettechnologien sichern. Ohne Krise wäre der Zukauf sicher deutlich teurer. Der öffentlichkeitsscheue 57-Jährige setzt damit um, was er bei einem seiner wenigen Auftritte im November 2008 verkündete. "Dies sind großartige Zeiten. Jetzt vorsichtig zu werden wäre der größte Fehler, den man machen kann", sagte er in New York bei einem Vortrag zum Thema Führungsqualität.

Mit Krisen hat der nach außen sonst so leise auftretende Palmisano seine Erfahrung. Kurz nach dem Platzen der Internetblase übernahm das IBM-Eigengewächs 2002 das Ruder bei "Big Blue". In den damals ebenfalls schweren Zeiten baute er den Konzern vom Hersteller zum Dienstleister um. Erst erwarb er einen Teil der Unternehmensberatung Price Waterhouse, dann verkaufte er 2004/05 das verbliebene PC-Geschäft an den chinesischen Hersteller Lenovo.

"Balu", wie ihn seine Mitarbeiter wegen seiner hünenhaften Gestalt in Anspielung an den gemütlichen Bären aus dem Dschungelbuch nennen, wird bei einer Zusammenlegung der Konzerne harte, für viele Menschen ungemütliche Entscheidungen treffen müssen. Zu viele Bereiche der beiden neuen Partner überlappen sich, Entlassungen und Verkäufe einzelner Abteilungen werden unumgänglich sein. Aber Mitarbeiter zu Veränderungen zu bewegen sei in schwierigen Zeiten einfacher, bekannte der Sozial- und Verhaltenswissenschaftler schon damals in seiner November-Rede.

Ohne die Fähigkeit zu harten Entscheidungen wäre der Vater von vier Kindern wohl nicht vom einfachen Marketingtrainee bis an die Spitze eines Weltkonzerns gerückt. 1973 begann er in seiner Heimatstadt Baltimore seine Ausbildung bei IBM. 1991 ging der begeisterte Golfer und Jogger als einer der wenigen Topmanager des Konzerns nach Japan, um das Asiengeschäft auszubauen. Danach übernahm er den damals verlustträchtigen und heute dominierenden Dienstleistungs- und Beratungsbereich und machte ihn binnen Jahresfrist profitabel.

Nun wird er beweisen müssen, dass er aus den Fehlern der Branche im zurückliegenden Dotcom-Boom gelernt hat. Um mit Sun mitten in der Krise das Internet neu zu entdecken, braucht er die Gelassenheit eines Bären und die Ausdauer eines Joggers.

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