IT-Industrie
Spitzenreiter bei Forschungs-Budgets

Viele High-Tech-Firmen in Deutschland pumpen seit einigen Monaten wieder Geld in ihre Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. Denn sie arbeiten jetzt an Vorhaben, die während der Wirtschaftsflaute auf Eis lagen.
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Auf den ersten Blick hat Infineon-Chef Peter Bauer seine Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) in den letzten Monaten zurückgefahren: Statt 15 Prozent wie im vorigen Jahr investierte der Konzern 2010 nur noch zwölf Prozent vom Umsatz in neue Techniken und Produkte. Doch die Prozentangaben führen in die Irre. Tatsächlich hat Infineon - Europas zweitgrößter Halbleiterproduzent nach ST Microelectronics - im abgelaufenen Geschäftsjahr (zum 30. September) mit 399 Millionen Euro ein Viertel mehr als ein Jahr zuvor für F&E ausgegeben. Der Münchener Chipanbieter hat seinen Umsatz um 50 Prozent erhöht, daher ist der Anteil dieser Ausgaben gesunken.

Infineon ist in der Branche kein Einzelfall. Viele High-Tech-Firmen in Deutschland pumpen seit einigen Monaten wieder Geld in ihre Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. Denn sie arbeiten jetzt an Vorhaben, die während der Wirtschaftsflaute auf Eis lagen. "Die Kunden sind endlich bereit, wieder große Projekte anzugehen", sagt Martin Hager, Chef und Eigentümer des Münchener IT-Dienstleisters Retarus. Einziger Nachteil: Oft müssen die Anbieter erst einmal Geld für die Entwicklung in die Hand nehmen.

Nicht alle Firmen geben dabei so viel aus wie Infineon. Im Schnitt fließen dieses Jahr etwa drei Prozent vom Umsatz der Firmen der IT- und Telekombranche (ITK) in F&E. Das ist mehr als in den anderen Branchen der deutschen Wirtschaft. Der Verband Bitkom hat ausgerechnet, dass die ITK-Betriebe 2010 rund 6,4 Milliarden Euro in F&E investieren. In der Branche arbeiten in Deutschland etwa 840 000 Menschen in 115 000 Betrieben. Zusammen erwirtschaften sie einen Umsatz von 240 Milliarden Euro. Und schon jetzt steht fest, dass die Branche auch 2011 florieren wird. Weltweit werden die IT-Ausgaben den Marktforschern von IDC zufolge um mehr als fünf Prozent klettern. Für die exportorientierten deutschen Firmen heißt das: Sie werden ihre F&E-Ausgaben weiter steigern müssen. Neuentwicklungen sind in der Branche extrem wichtig. Gut ein Viertel aller Umsätze erzielen die Unternehmen mit Produkten, die jünger als drei Jahre sind. Im Rest der Wirtschaft liegt der Wert nicht einmal bei der Hälfte. Vor allem die Hersteller von Hardware müssen laufend neue Angebote auf den Markt bringen, um mithalten zu können.

Angesichts des großen Anteils am Umsatz ist es kein Wunder, dass Infineon-Chef Bauer eine steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung in Deutschland befürwortet. Er verweist gern darauf, dass andere Länder die Forschung weit stärker fördern. Dabei müsse man nicht einmal nach Fernost gehen, um ein günstigeres Umfeld zu finden. Schon in Österreich sei es deutlich attraktiver zu forschen als hierzulande.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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