IT-Sicherheit
Wenn Firmen-Laptops verschwinden

Die britische Finanzaufsicht FSA verurteilte kürzlich die Bank Nationwide zu einer Geldstrafe von einer Million Pfund – wegen Versäumnisse bei ihrem Sicherheitsmanagement. Einem ihren Mitarbeiter war der Computer gestohlen worden, samt Kundendaten. Die Bank ist aber bei weitem nicht der einzige Arbeitgeber, der sich zu wenig um diese Risiken kümmert.

LONDON. So belegt auch eine europaweite Studie – bei dem britischen Marktforscher Loudhouse, in Auftrag gegeben von dem Computer-Sicherheitsspezialisten McAfee –, dass nur 23 Prozent der Firmen überhaupt Richtlinien für den Außeneinsatz von Laptops haben.

Die Studie „The Education Gap“ ergibt, dass in Deutschland nur 69 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen überhaupt strukturierte Einweisungen für ihre Mitarbeiter durchführen. Zum Vergleich: In Großbritannien sind es 87 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass dabei Daten- und IT-Sicherheit berücksichtigt werden, beträgt europaweit im Schnitt nur 32 Prozent – liegt allerdings in Deutschland mit 43 Prozent über dem Durchschnitt.

Dementsprechend unklar ist das Verantwortlichkeitsbewusstsein: 66 Prozent der über 1 000 befragten Unternehmen mit 15 bis 250 Mitarbeitern glauben, dass es das Problem des Mitarbeiters ist, wenn ein mobiler USB-Speicher mit sensiblen Daten verloren geht. „Die größten Herausforderungen, die die Unternehmen überwinden müssen, sind die vagen Prozesse und Verantwortlichkeiten“, folgert die Studie.

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Nicht die technischen Sicherheitseinrichtungen eines IT-Systems, sondern die regelgerechte Nutzung durch die Mitarbeiter ist der entscheidendste Sicherheitsfaktor, argumentieren die Autoren. Unternehmen machten sich also doppelt schuldig, wenn sie die Verantwortung einseitig und ohne adäquate Schulung dem Mitarbeiter zuschieben, meint Billy Hamilton-Stent, einer der Autoren vom britischen Marktforscher Loudhouse Research. „Einmal verhalten sie sich unfair, wenn sie die Angestellten für Datenverlust verantwortlich machen, ohne sie angemessen einzuweisen. Zum anderen sind rechtlich in allen europäischen Ländern für Datenverlust und die kommerziellen Konsequenzen die Unternehmen und nicht die Mitarbeiter haftbar.“

Länder wie Spanien oder Großbritannien mit durchlässigeren Arbeitsmärkten nehmen Mitarbeitereinweisungen tendenziell ernster als andere, in denen die Mitarbeiterfluktuation geringer ist. In Großbritannien haben im vergangenen Jahr rund sieben Millionen Menschen den Job gewechselt. Zwar haben sie nicht unbedingt die Firma gewechselt, aber ein Viertel der Mitarbeiter hat eine andere Tätigkeit übernommen. Die durchschnittliche Verweildauer in einem Job beträgt nur noch zwei bis drei Jahre. Und bei dieser hohen Fluktuation kommt der Mitarbeitereinweisung eine enorme Bedeutung zu, betont Hamilton-Stent.

Die erste Arbeitswoche ist die „kritische Zeit“ für Unternehmen, das richtige Sicherheitsbewusstsein bei ihren Leuten zu wecken. Doch viele lassen dieses „beste Fenster zur Etablierung der Unternehmenswerte“ ungenutzt. Wenigstens scheinen deutsche Personalchefs zu wissen, dass mehr getan werden muss. Fast die Hälfte glaubt, dass IT-Sicherheit bei Betriebseinweisungen eine größere Rolle spielen muss. Nirgendwo wird die Notwendigkeit zu Sicherheitskontrollen auch so pragmatisch eingeschätzt wie hier: Nur 17 Prozent der Firmen glauben, dass Kontrollen der Internet- und Mail-Nutzung Vertrauen zerstört. In Frankreich sind dies fast 40 Prozent.

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Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent
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