IT-Töchter großer Unternehmen besinnen sich unter steigendem Wettbewerbsdruck auf die eigenen Stärken – mit Erfolg
Weg von Mutters Rockzipfel

Das Verhältnis von Mutter und Tochter ist in vielen Familien geprägt von Erwartungen, Sehnsüchten und Enttäuschungen. Ganz ähnlich verhält es sich auch mit den Beziehungen großer deutscher Unternehmen zu ihren konzerneigenen IT-Dienstleistern.

Zu Beginn des Jahrtausends sollten die sich - nach dem Wunsch der Mütter - unbedingt emanzipieren, also möglichst viel Umsatz mit Kunden außerhalb der eigenen Familie machen. Nachdem das in den meisten Fällen misslang, wären viele ihre erfolglosen Sprösslinge am liebsten losgeworden. Auch wenn wenige das offen zugaben.

Thyssen-Krupp gelang mit dem Verkauf von Triaton vor eineinhalb Jahren zwar so ein Deal, aber der entmutigte andere Wettbewerber eher, als sie zum Nachahmen zu motivieren: Der Fall zeigte, wie komplex so ein Verkauf ist und wie überschaubar die Zahl potenzieller Käufer.

Also hieß es für die meisten IT-Töchter im vergangenen Jahr - gewollt oder nicht: Zurück zu Mutti! Wie sie dort behandelt werden und welche Rolle sie spielen, haben die Strategieberater von SMP in ihrer Studie, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, untersucht. Zwischen Dezember und März befragten die Düsseldorfer 306 Entscheider von IT-Töchtern und-Abteilungen. Sie belegt, wie sehr die Töchter mittlerweile im Wettbewerb mit externen Dienstleistern stehen: 61 Prozent aller IT-Aufträge der Mutterkonzerne werden nicht gleich in der eigenen Familie vergeben, sondern erst ausgeschrieben. In einigen IT-Leistungsbereichen bekommen externe Dienstleister heute über die Hälfte des jeweiligen Konzernbudgets.

Obwohl sie ihre Aufträge stärker streuen, sind die Unternehmenslenker von den Vorteilen einer eigenen IT-Tochter oder-Abteilung überzeugt - auch das ergibt die Studie. Punkten können die eigenen Leute vor allem durch ihre intime Kenntnis des eigenen Konzerns. "Auch bei einem neuen IT-Thema ist es ein unschlagbarer Vorteil, auf Erfahrungen der eigenen Mitarbeiter aufbauen zu können", bekräftigt Jürgen Schröder, IT-Chef von Schering. "Diesen Wissensvorsprung bei Geschäftsabläufen können externe Dienstleister selten aufholen."

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