Italien
Der Tempomacher

Mit Hochgeschwindigkeitszügen mit edlem Design und Kino-Waggons will der Chef der italienischen Privatbahn NTV Giuseppe Sciarrone der staatlichen Konkurrenz die Kunden abjagen. Als NTV-Vorstandschef greift der 61-Jährige auch seinen ehemaligen Arbeitgeber an.
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MAILAND. Für seine Attacke auf das staatliche Monopol hat sich Giuseppe Sciarrone eine illustre Gesellschaft ausgesucht: Gemeinsam mit dem Ferrari-Präsidenten Luca Cordero di Montezemolo, dem Gründer der Edelschuhfirma Tod?s Diego della Valle und dem Unternehmer Gianni Punzo gründete er 2007 die private Zuggesellschaft NTV SpA (Nuovo Trasporto Viaggiatori). Nach zwei Jahren intensiver Vorbereitung machen die Bahn-Enthusiasten nun Ernst: Mit Zügen in edlem Design und mit Kino-Waggons wollen sie ab 2011 auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken Italiens der Staatsbahn Ferrovie dello Stato (FS) Konkurrenz machen.

Als NTV-Vorstandschef greift Sciarrone auch seinen ehemaligen Arbeitgeber an. Schließlich hat er für FS zwischen 1993 und 1999 als Manager gearbeitet. An NTV ist der 61-Jährige jetzt mit 1,5 Prozent beteiligt. Die drei Mitgründer halten gemeinsam 33,5 Prozent der Aktien. Mittlerweile ist auch die französische Staatsbahn SNCF mit 20 Prozent an Bord.

"Italo" heißt der neue Zug. Eingerichtet von der Designer-Legende Giugiaro, soll er mit Edelsesseln und technischen Annehmlichkeiten die Besucher locken, die bisher mit dem durchaus modernen Zug der FS "Frecciarossa" (roter Pfeil) fahren können.

"Bis 2015 wollen wir auf den vier Strecken, die wir bedienen, einen Marktanteil von 20 Prozent erreichen", sagt Sciarrone dem Handelsblatt. Der "Italo" soll die Strecken Mailand-Rom-Neapel, Rom-Venedig, Mailand-Turin und Rom-Bari fahren. Ingenieur Sciarrone hofft, so auf einen Jahresumsatz von 400 Mio. Euro zu kommen. Geld verdienen will er schon ab dem Jahr 2013 oder 2014. Wenn alles gut läuft, soll das Unternehmen im Jahr 2015 an die Börse.

Insgesamt haben die Aktionäre, zu denen außer den Gründern und SNCF auch die Bank Intesa Sanpaolo und der Versicherer Generali sowie der Bremsenhersteller Alberto Bombassei (Brembo) gehören, 280 Mio. Euro Kapital in die neue Gesellschaft gesteckt. Die Investitionen von rund einer Milliarde Euro über die kommenden Jahre sollen sich daraus und aus dem laufenden Geschäft finanzieren. Die größte Investition, 650 Mio. Euro für 25 neue Hochgeschwindigkeitszüge von Alstom, stemmt Sciarrone über ein zwölf Jahre angelegtes Leasinggeschäft.

Warum sich die Italiener für die französischen Züge entschieden haben? "Es war am Ende ein Kopf-an Kopf-Rennen zwischen Alstom und Siemens", erzählt Sciarrone. "Der deutsche Zug war genauso schön wie der französische. Aber letztlich war der Alstom-Zug der neuere und passt damit besser zu unserem Namen: Nuovo Trasporto Viaggiatori", was auf Deutsch Neuer Reisenden-Transport heißt. Der Alstom-Zug überzeuge auch, weil er leichter als alle anderen sei und damit energieeffizienter.

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