Italienische Ikone: De Benedetti zieht sich zurück

Italienische Ikone
De Benedetti zieht sich zurück

Eine der wichtigsten Wirtschaftsfiguren Italiens tritt ab. Carlo De Benedetti gibt seine Präsidentenposten bei etlichen Unternehmen aus Altersgründen auf. Der Unternehmer und Manager gilt als einer der einflussreichsten Widersacher des amtierenden Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi.

MAILAND. Der italienische Unternehmer und Manager Carlo De Benedetti tritt zum Jahresende von seinen verschiedenen Präsidentenposten der von ihm gegründeten Unternehmen zurück. Der 74-Jährige, der unter anderem die wichtige italienische Verlagsgruppe Gruppo Editoriale L’Espresso kontrolliert, nannte Altersgründe für die Entscheidung. Er legt die Präsidentenämter bei L’Espresso, bei den Holdinggesellschaften Cofide und Cir und bei der Investmentgesellschaft M&C nieder.

„Das ist eine unbeschwerte Entscheidung, da ich die Kontinuität des Managements gesichert habe“ sagte De Benedetti, eine der wichtigsten Wirtschaftsfiguren Italiens. Über seine Holding-Gesellschaften kontrolliert De Benedetti außer der Verlagsgruppe L’Espresso, die die Tageszeitung „La Repubblica“ herausgibt, auch den Autozulieferer Sogefi, den Versorger Sorgenia – ein Joint Venture mit der österreichischen Verbund – und die Klink-Kette HSS. 1976 führte De Benedetti als Vorstandsvorsitzender kurze Zeit den Autokonzern Fiat. Zwei Jahre später steigt er bei dem Technologieunternehmen Olivetti ein und übernimmt den Präsidentenposten. Unter seiner Führung expandierte Olivetti erfolgreich im Markt mit Personal Computern, bevor das Unternehmen gut ein Jahrzehnt später in die Krise rutschte.

De Benedetti gilt sowohl im Geschäftsleben als auch persönlich und politisch als Widersacher des amtierenden Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Während De Benedetti zum Establishment gehörte, war Berlusconi lange ein Außenseiter in den feinen Kreisen der Gesellschaft. Gegen Berlusconi verlor De Benedetti unter anderem den Übernahmekampf um den Verlag Mondadori, der nun zum Medienimperium Berlusconis gehört. Die Medien der Verlagsgruppe L’Espresso sind dagegen klar dem Mitte-Links-Lager zuzuordnen.

Allerdings bekommen auch De Benedettis Investitionen die Krise zu spüren. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat erst vergangene Woche die Bonität der Verbindlichkeiten von Cir unter Investment-Status gesenkt.

Der Kurs der L’Espresso-Aktie reagierte gestern morgen mit einem deutlichen Kurssprung auf die Nachricht des Abgangs von De Benedetti, auch wenn dieser sich nicht völlig von seinem Verlag verabschieden will. Er werde gemeinsam mit seinem Sohn Rodolfo einen Nachfolger für den Präsidentenposten der Verlagsgruppe bestimmen, verlegerische Verantwortung behalten und außerdem als Ehrenpräsident dem Unternehmen erhalten bleiben. Auch die Aktien der Holdinggesellschaften Cir und Cofide legten zu.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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