Italiens Erfolgsunternehmer Renato Soru will sich zurückziehen und in die Politik wechseln
„Ich will nicht Mr. Tiscali sein“

Wachsen, wachsen, wachsen. Das Wort schleicht sich in jeden zweiten Satz ein, zieht sich wie ein roter Faden durch das Gespräch. Renato Soru, 46-jähriger Präsident und Vorstandsvorsitzender des italienischen Internetdienstleisters Tiscali, hat als Shooting-Star der IT-Branche in den vergangenen Jahren längst alle Rekorde gebrochen.

HB MAILAND. Und er hat wie die anderen auch den Einbruch der Branche miterleben müssen. Aber seine Gedanken sind in die Zukunft gerichtet: „Wir sind vielleicht in einer schwierigen Phase. Wenn es Tiscali allerdings gelingt, unabhängig zu bleiben, können wir in zehn Jahren führend auf dem europäischen Markt sein.“

Was der Tiscali-Chef werbend in wohlgesetzten Worten formuliert, ist bisher nicht mehr als ein Wunschtraum. Tiscali, in 16 Ländern aktiv, hält derzeit nirgendwo die Position des Marktführers. Im mengensensiblen Geschäft mit Internetzugängen wird dies von Analysten als Nachteil gegenüber den beiden größeren Konkurrenten T-Online und Wanadoo bewertet.

Doch der schmale Manager mit der hohen Stirn hält an seiner Vision fest. Nicht zuletzt sind es Aussagen wie diese, die ihn in Italien zu einer Kultfigur der New Economy werden ließen. Fast beschwörend wiederholt er mit seiner leisen, von sardischem Akzent geprägten Stimme sein klar umrissenes Ziel: „Wir wollen das führende Internetunternehmen in Europa werden.“

Mit einem kleinen Unterschied allerdings: Soru, der heute das Unternehmen leitet und eine Beteiligung von 29,5 Prozent besitzt, will, dass es künftig auch ohne ihn geht: „Wenn man mich Mr. Tiscali nennt, ist das ein Signal, dass ich als Tiscali gesehen werde und nicht als Renato Soru. Ich will nicht Mr. Tiscali sein, sondern Signor Soru.“ Präsident im Unternehmen will er vorerst bleiben, aber ein neuer CEO wird bereits gesucht. Sein Rückzug ist langsam, Schritt für Schritt geplant. Bisher sei er die richtige Person gewesen, sagt Soru, jetzt aber vielleicht nicht mehr.

Ein Chef, der an seiner eigenen Rolle zweifelt? Immerhin darf es sich der Tiscali-Chef zuschreiben, den Internetdienstleister zum drittgrößten Internet-Service-Provider in Europa geformt zu haben. Italienische Zeitungen griffen seine Geschichte auf, machten aus dem auf den ersten Blick äußerst zurückhaltend wirkenden Manager eine Art Popstar. Schließlich war dem Sohn eines sardischen Lebensmittelhändlers eine Karriere nach amerikanischem Muster gelungen – vom Tellerwäscher zum Millionär.

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