Jacobs übernimmt alleinige Macht bei Adecco
Rückkehr eines Patriarchen

Pferdezüchter Klaus Jacobs hat am Dienstag das gemacht, was von einem Reiter erwartet wird, wenn sein Rennstall keine Turniere mehr gewinnt: Er wechselt die Pferde und nimmt die Zügel selbst in die Hand.

ZÜRICH. Der 68-jährige Unternehmer aus Leidenschaft und Spross jener Kaffeerösterdynastie aus Bremen, deren Wurzeln bis ins zwölfte Jahrhundert reichen, hat zwei Jahre mit angesehen, wie sein bestes Pferd im Stall lahmte: Adecco. Das weltgrößte Zeitarbeitsunternehmen aus der Schweiz und neben der Beteiligung am Schokoladenhersteller Barry Callebaut wichtigstes unternehmerisches Engagement des schlanken Hanseaten kann es beim Wachstum nicht mit Verfolgern wie Manpower aufnehmen. Seit der Konzern sich voriges Jahr selbst ein Bein stellte und eine 100 Millionen Euro teure Untersuchung seiner Bilanz vornahm, die kein nennenswertes Ergebnis brachte, läuft es nicht mehr rund. Vor allem die Margen im wichtigen französischen Markt blieben schwach.

Jetzt übernimmt Jacobs. Seine Holding kündigte am Dienstag an, in zwei Schritten 29,3 Prozent der Adecco-Aktien zu kaufen, was den Milliardär beim aktuellen Börsenkurs knapp eine Milliarde Euro kosten wird. Den Anteil erwirbt er von seinem Partner und Co-Verwaltungsratspräsidenten, der leider allzu oft auch sein Widersacher war: Der französischstämmige Adecco-Mitbegründer Philippe Foriel-Destezet überlässt dem Deutschen das Feld. Er bleibt einfaches Verwaltungsratsmitglied und behält ein kleineres Aktienpaket. Jacobs wird alleiniger Präsident.

Damit nicht genug: Der Machtmensch löst auch Jérôme Caille ab, der Adecco geleitet hat und als Ziehsohn Foriel-Destezets gilt. Während der Einfluss der Franzosen schwindet, stärken die Deutschen ihre Macht durch eine weitere Rochade: Jürgen Dormann, Verwaltungsratspräsident beim Schweizer Technologiegiganten ABB und bislang einfaches Mitglied in diesem Gremium auch bei Adecco, rückt an die Seite von Jacobs und wird Vizepräsident. Damit ist ein Machtkampf entschieden, der das Unternehmen gelähmt hat, seit es vor neun Jahren aus einer Fusion der Schweizer Adia mit der französischen Ecco hervorgegangen ist. Damit dürfte auch eine Partnerschaft endgültig zerbrochen sein, die gerade mühsam gekittet wurde.

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