Jacques Gounon
Raus aus dem Tunnel

Jacques Gounon will den hoch verschuldeten Betreiber des Eurotunnels vor dem Zusammenbruch retten. Heute entscheidet sich, ob er eine Gnadenfrist erhält.

PARIS. Das Drama zieht sich über mehr als 20 Jahre hin. Es geht um neun Milliarden Schulden, das Schicksal von 2 300 Mitarbeitern und den geplatzten Traum, eines der größten Infrastrukturprojekte Europas ausschließlich mit privaten Geldern zu finanzieren. Es geht um Eurotunnel.

Ein Mann hat die Schlüsselrolle in diesem Tunnel-Thriller: Jacques Gounon. Der Präsident und Generaldirektor von Eurotunnel zieht im Kampf mit den Gläubigern alle Register, um das Unternehmen, das den Tunnel zwischen Frankreich und Großbritannien betreibt, zu retten.

Sein letzter Coup: Gounon hat das Pariser Handelsgericht angerufen, Eurotunnel Gläubigerschutz zu gewähren. Stimmen die Richter dem Antrag zu, braucht Gounon den Gläubigern sechs Monate lang keinen Cent zu zahlen. Die Gnadenfrist, die dreimal verlängert werden kann, soll helfen, endlich eine Einigung zwischen dem Tunnelmanagement und den Gläubigergruppen zu erreichen. Heute fällt die Entscheidung.

Schlanke Gestalt, das angegraute Haar korrekt zum Seitenscheitel ge-kämmt, ruhige Stimme – rein äußerlich betrachtet, ginge Gounon auch als Beamter durch. Doch den dreifachen Familienvater reizt mehr die Krisenbewältigung als eine geregelte 35-Stunden-Woche. „Ich hasse die Routine“, sagt Gounon über sich.

Kritiker meinen, er habe den Job bei Eurotunnel auch deshalb angenommen, um mehr im Licht der Öffentlichkeit zu stehen. Schon bevor er den Schleudersitz als Präsident beim teuersten Loch der Welt übernahm – das mit umgerechnet 16 Milliarden Euro doppelt so viel kostete und das nur halb so viel Passagiere nutzen wie geplant – hat er Erfahrungen als Krisenmanager gesammelt.

Mitte der 90er-Jahre zum Beispiel: Gounon, Absolvent der französischen Elite-Schmiede Polytechnique, diente der damaligen Transportministerin Anne-Marie Idrac als Büroleiter. Auch das war ein Job, den ihm nur wenige neideten. Denn Frankreichs Bahner legten das Land lahm, um gegen die Reform ihrer Altersversorgung zu protestieren.

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