Jaime Smith Basterra
Ein erfahrener Sanierer für O2

Bei Deutschlands kleinstem Mobilfunker O2 dürfte künftig ein schärferer Wind wehen: Mit dem neuen Deutschland-Chef Jaime Smith Basterra verordnet die O2-Mutter Telefónica ihrer deutschen Tochter einen Sanierer. Smith löst den amtierenden O2-Chef Rudolf Gröger zum 1. Oktober ab.

HB DÜSSELDORF. Während Gröger ein Marketing-Fachmann ist, der O2 zunächst erfolgreich als starke Marke positioniert hat, gilt Smith in der Branche als kühler Rechner. Darauf deutet auch seine Herkunft hin: Bevor Smith vor acht Jahren zu Telefónica wechselte, arbeitete er als Analyst bei zwei spanischen Banken. Telefónica International heuerte ihn 1999 als Leiter für die Finanzplanung an, später wurde er Finanzvorstand von Telefónica in Spanien.

Sein Meisterstück für den Job in Deutschland hat Smith in Tschechien abgeliefert. Dort schaffte er zwei Dinge, die in Deutschland fehlen: Er senkte die Kosten und führte erfolgreich zwei getrennte Unternehmen zusammen. Nach seinem Antritt in Tschechien vor zwei Jahren formte der 41-Jährige aus dem Festnetzanbieter Cesky Telecom und dem Mobilfunker Eurotel Praha den ersten Komplettanbieter des Landes.

Mit Erfolg: Der zuletzt sinkende Umsatz erholte sich wieder, und die Gewinne stiegen. Smith senkte die Kosten, verzichtete aber auf einen Personalabbau in großem Stil. Nachfolger von Smith in Tschechien wird sein Stellvertreter Salvador Anglada Gonzalez, der bisher das Privatkundengeschäft leitete.

O2-Chef Peter Erskine erwartet von Smith in Deutschland eine Neuauflage seines Erfolgs in der Tschechischen Republik. Er lobte Smith als einen Fachmann, „der für diese Schlüsselrolle ausgewiesene Stärken mitbringt“.

Hier zu Lande floppte das Angebot für schnelle Internetzugänge über DSL bisher, das O2 nach der Übernahme durch Telefónica auf den Markt brachte. Gröger räumte selbst Fehler ein. So haperte es offenbar häufig an simplen technischen Problemen, so dass neue DSL-Kunden extrem lange auf ihren Anschluss warten mussten.

Aber das waren nicht die einzigen Probleme. Im ersten Quartal musste O2 erstmals einen Umsatzrückgang hinnehmen. Der direkte Wettbewerber E-Plus vergrößerte mit Billigmarken den Abstand zu O2. Zudem kappte die KPN-Tochter ihre Kosten deutlich – unter anderem, weil sie IT und Netz-Management auslagerte. Das führte dazu, dass E-Plus heute wesentlich schlanker aufgestellt ist als O2, aber trotzdem erfolgreicher im Geschäft. „Gröger hat diese Entwicklung verpasst – er hätte früher die Kosten senken müssen“, sagt Analyst Frank Rothauge von Sal. Oppenheim.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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