Jain im Porträt
Der Kronprinz erklimmt die Spitze

Seit vielen Jahren schon gilt Anshu Jain als Kronprinz für Vorstandschef Josef Ackermann. 2009 kam er überraschend nicht zum Zuge, aber nun gelingt ihm sein größter Karriereschritt - zumindest teilweise.
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Frankfurt Cricket-Spieler brauchen einen langen Atem. Die Matches können im Extremfall mehrere Tage dauern. Anshu Jain weiß das - der Top-Investmentbanker der Deutschen Bank spielt schließlich leidenschaftlich gerne Cricket. Und einen langen Atem braucht der 48-jährige gebürtige Inder auch im Job. Seit vielen Jahren schon gilt er als Kronprinz für Vorstandschef Josef Ackermann. 2009 kam er überraschend nicht zum Zuge, aber nun gelingt ihm sein größter Karriereschritt. Zumindest teilweise: Denn Jain wird mit Deutschland-Chef Jürgen Fitschen ein Partner zur Seite gestellt.

Dabei hätte Jains größter Makel den Weg an die Konzernspitze fast verhindert. Der in London lebende und arbeitende Banker spricht kaum Deutsch, und ihm fehlen die Drähte ins politische Berlin. Er hat sich hierzulande in den vergangenen Jahren rar gemacht. Dass Jain wie Ackermann in nächtlichen Sitzungen Seite an Seite mit der Bundesregierung über Bankenrettungen verhandeln kann, ist schwer vorstellbar. Doch der Chef des größten deutschen Geldhauses ist nun einmal qua Amt der Repräsentant der deutschen Finanzbranche. „Jain kann man sich in der Rolle nur schwer vorstellen“, sagt ein Insider. Daher gehe es nicht ohne Partner, der die Außendarstellung der Bank übernehme.

Jain ist auch die hiesige Kultur fremd. Das zeigt der 100-prozentige Investmentbanker bei jedem seiner seltenen öffentlichen Auftritte in Deutschland. So fragte ihn ein Journalist nach einer Bankenkonferenz in Frankfurt Ende vergangenen Jahres: „Sprechen Sie Deutsch?“ Jain lächelt verlegen und antwortet entlarvend: „I'm not going to go there.“ Auf Deutsch: „Darauf lasse ich mich nicht ein.“ Dann eilt er davon und reagiert nicht auf weitere Journalistenfragen. Die deutsche Presse geizte daraufhin nicht mit kritischen Kommentaren.

Was für ein Kontrast zu seinem Image im angelsächsischen Raum und in der Investorengemeinde. Das Fachmagazin „Financial News“ kürte den hochintelligenten Analytiker Mitte 2010 zur einflussreichsten Persönlichkeit der europäischen Finanzindustrie. Zusammen mit seinem Team von Händlern und Investmentbankern - in der Branche „Anshus Armee“ genannt - erwirtschaftet er von London aus mehr als 80 Prozent der Gewinne des größten deutschen Geldhauses. Sie bewegen jeden Tag Milliardensummen an den Aktien-, Anleihe-, Devisen- und Rohstoffmärkten. Das Magazin „The Economist“ bezeichnete Jain einmal als „indischen Bond-Junkie“, bankintern gilt der verheiratete Vater zweier Kinder schlicht als „Regenmacher“.

Trotz Milliardenverlusten hat Jain das Investmentbanking vergleichsweise gut durch die Finanzkrise gebracht - Staatshilfen brauchte die Bank nicht. Allerdings sind heute noch Klagen aus der Zeit der Krise anhängig, die die Bank teuer zu stehen kommen können - vor allem in den USA, dem Mutterland des Investmentbankings. Der deutschen Öffentlichkeit ist das Kapitalmarktgeschäft eher suspekt. Jain und Konsorten sind hierzulande als Kasino-Banker oder Spekulanten verschrien, die an den Märkten mit Kundengeldern zocken. Wenn man Jain live erlebt, bekommt man einen anderen Eindruck: Der Einkommens-Multimillionär mit seinen jungenhaften Zügen wirkt bescheiden und bodenständig, seine Unterlagen transportiert er gerne im Rucksack.

Neben Cricket ist seine Leidenschaft die Tierfotografie. Mit teuren Autos durch die Gegend zu rasen, ist nicht sein Ding. Dabei verdiente er im vergangenen Jahr einschließlich aller Boni rund zwölf Millionen Euro - drei Millionen Euro mehr als Ackermann. Über Jains Herkunft ist wenig bekannt. Geboren wurde er 1963 im nördlichen indischen Bundesstaat Rajasthan, sein Vater gehört der Religion des Jainismus an, die sich unter anderem Gewaltlosigkeit auf die Fahnen geschrieben hat. In der Hauptstadt Neu-Delhi besuchte er eine Privatschule, bevor er an der Universität Delhi Volkswirtschaft studierte und später in den USA seinen Master in Finanzen machte.

Sein größter beruflicher Mentor war der Branchenstar Edson Mitchell, mit dem er 1995 von Merrill Lynch zur Deutschen Bank wechselte. Als Mitchell Ende 2000 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, rückte Jain in die Top-Riege der damals von Ackermann geführten Investmentbank-Sparte auf. Kurze Zeit später gehörte er dem erweiterten Vorstand an. Dabei sammelte er Erfahrungen mit einer Doppelspitze: Er verantwortete das
Investmentbanking lange zusammen mit Michael Cohrs, bis dieser vor einem Jahr seinen Hut nahm. Damit rückte Jain zum Alleinherrscher über die wichtigste Sparte des Geldhauses mit 16.000 Mitarbeitern auf. Sein langer Atem hat sich also schon einmal ausgezahlt. Insider rechnen damit, dass der ehrgeizige Banker in ein paar Jahren alleine an der Spitze der Bank stehen wird - Deutsch lerne er bereits, so hört man.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Jain im Porträt : Der Kronprinz erklimmt die Spitze"

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  • ich moechte mal wissen ob City Bank, Goldman Sachs oder Bank of America einen CEO anheuern, der wenig oder kein Englisch sprechen kann und keinen Draht nach Washington hat!?
    Ganz bestimmt NICHT!
    Also, Mr. Superstar-Moechte-gern "daytrader", dass hat ganz und gar nichts mit deutschen Neid und Missgunst zu tun.
    Den meisten Neid und Missgunst findet man im Ausland. Ich wohne in Nordamerika und kann ein Lied davon singen!

  • anshu jain superstar. willkommen im deutschen neid- und missgunstpool.

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