James Murdoch und Richard Branson
Showdown im Wohnzimmer

Seit Wochen liefern sich James Murdoch und Richard Branson einen öffentlich ausgetragenen Schlagabtausch um die Gunst der britischen Fernsehzuschauer. Inzwischen hat sich auch die Medien-Aufsichtsbehörde eingeschaltet. Sie überprüft Murdochs Marktmacht in der Medienbranche – auf Anraten von Branson.

LONDON. Der Mann steht sofort im Mittelpunkt, egal, wo er auftaucht. Das ist auch im Dezember 2005 so, als Richard Branson in den Räumen einer PR-Agentur in der Londoner City seinen Vorstoß ins Mediengeschäft einleitet. Eigentlich gibt da der Kabelfernsehriese NTL Telewest bekannt, dass er Bransons Mobilfunkfirma Virgin Mobile übernehme, doch es scheint eher so, als ob der bärtige Vollblut-Unternehmer mit den langen, blonden Haaren der Käufer ist.

Das liegt weniger an den vergleichsweise bescheidenen 14 Prozent, die er seither an NTL hält, als an dem Namen „Virgin Media“, den sich der Kabelkonzern überstreift. Virgin, das ist die Marke, unter der Branson sein weit verzweigtes Firmenimperium von Musikläden über Fitness-Studios bis zu Fluggesellschaften aufgebaut hat.

Branson kennt vor allem einen Gegner: British Sky Broadcasting, kurz BSkyB, den Betreiber der dominierenden Pay-TV-Plattform Sky. Rupert Murdochs Konzern News Corp hat hier mit knapp 40 Prozent der Aktien das Sagen, und sein Sohn James führt die Firma. Seit Wochen liefern sich Branson und Murdoch einen öffentlich ausgetragenen Schlagabtausch.

Seinem Kontrahenten wirft Branson systematischen Machtmissbrauch vor und brandmarkt ihn als Gefahr für die Demokratie. Das findet James Murdoch lachhaft und dreht kühl den Spieß um. „Virgin Media wollte den großen Streit“, sagt er, „sie wollen sich als Opfer darstellen und so öffentliche Unterstützung gewinnen.“

Virgin Media hat den Anspruch, einen einzigartigen Medienkonzern aufzubauen. „Quadruple Play“ lautet das Zauberwort, ein Vierfach-Angebot aus Fernsehen, Breitband-Internet, Festnetz- und Mobiltelefonie. Branson ist das zu technisch: Mitten in der Pressekonferenz steht er auf, greift sich einen dicken roten Filzschreiber und streicht die Überschrift auf einer projizierten Powerpoint-Folie durch. Aus „Quadruple-Play“ macht er kurzerhand „4-Play“. Der Geistesblitz eines Marketing-Genies.

Murdoch junior ist der Gegenentwurf zu Richard Branson: ein zurückhaltender Manager und Analytiker, der hemdsärmelige PR-Auftritte scheut. Mit großer Skepsis empfing ihn die City 2004 als Chef von BSkyB, doch der Mann mit den kurz geschorenen Haaren hat sich Respekt verdient. Auch er ist auf dem Weg in die digitale Medienzukunft. Mit dem Kauf eines Breitband-Anbieters hat er dem Satellitensender mit seinen mehr als acht Millionen Kunden den Weg in die digitale Medienzukunft eröffnet. Früher oder später mussten sich die beiden so unterschiedlichen Figuren ins Gehege kommen – im November ist es so weit.

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