James Murdoch
Wenn die Murdoch-DNA zuschlägt

Als nicht so brutal wie sein Vater galt James Murdoch, der Europa-Chef der News Corp und Sohn des amerikanischen Medienmoguls Rupert Murdoch. Dann kam der Skandal um das Boulevardblatt "News of the World".
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LondonJames Murdoch hat sich nicht selbst vor seine Leute gestellt, um die schlechte Nachricht zu verkünden. Er hat seine Botschaft verlesen lassen. Das nehmen ihm die Redakteure des Boulevardblatts „News of the World“ genauso übel wie den Inhalt: James Murdoch, Europa-Chef des Mutterkonzerns News Corp., ließ die sofortige Einstellung der Zeitung einfach verkünden.

Mit so einem Schritt hatte niemand gerechnet – schon gar nicht von Murdoch junior, den die Redakteure stets als angenehmer und nicht so brutal und raubeinig wie seinen Vater Rupert Murdoch empfunden haben. „Doch er ist ein Murdoch, und das war die Murdoch-DNA, die da zutage trat“, sagte einer der Betroffenen. Die Entscheidung sei hart und verwegen, zynisch und brillant zugleich. „Wenn es eines Beweises brauchte, dass James das Zeug hat, Nachfolger seines Vaters zu werden, dann hat er ihn jetzt erbracht.“ Jetzt müsse nur noch sein Kalkül aufgehen.

Mit der Einstellung des Boulevardblatts will der 38-Jährige einen anderen Deal retten, der ihm wichtiger ist als die Zeitung: News Corp. will den Bezahlsender BSkyB komplett übernehmen und braucht dafür die Zustimmung der britischen Regierung.

Die Entscheidung, „News of the World“ zu opfern, ist wohl ähnlich rabiat wie eine andere seines Vaters Mitte der 80er-Jahre. Weil Rupert Murdoch Geld braucht für seine US-Sender, setzt er gegen den erbitterten Widerstand der Gewerkschaften Revolutionäres durch. Er verlegt seine Zeitungen von der Londoner Fleet Street in ein modernes Druckzentrum im Londoner Osten. Die Rechnung geht auf: Schon im ersten Jahr danach macht er 85 Prozent mehr Gewinn, weil die Zeitungen von 570 statt zuvor über 2000 Arbeitern gedruckt und von 132 statt zuvor 1496 Mann verpackt werden.

13 Monate hatte Rupert Murdoch damals gebraucht, um die Macht der Gewerkschaften zu brechen, um ans Ziel zu kommen.

Wie lange es bei James dauern wird? Die Regierung hat ihre Entscheidung über die Komplettübernahme von BSkyB auf unbestimmte Zeit verschoben.

Fest steht nur eines: Das Fernsehgeschäft steht Murdoch junior schon seit Jahren näher als Print. Als Krisenmanager beim asiatischen Satellitensender Star TV machte er das defizitäre Unternehmen schnell profitabel. Danach folgte der Chefposten bei BSkyB. Auch hier steigerte er in wenigen Jahren Umsatz, Gewinn und Abonnentenzahl.


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