Jan Kulczyk: Ein Gewinner der Wende kehrt zurück

Jan Kulczyk
Ein Gewinner der Wende kehrt zurück

Lange war Jan Kulczyk, Gründer und seit 2004 Ehrenpräsident der deutsch-polnischen Industrie- und Handelskammer, abgetaucht, sogar zeitweise aus Polen geflohen. Nun ist der Milliardär, der als reichster Pole gilt, wieder da und will seine Ölfirma an die Börse bringen. Was sich hinter dem Erfolgsgeheimnis verbirgt.
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WARSCHAU. Vor fünf Jahren warnte er: „Populistische Politiker zerstören das Investitionsklima in Polen.“ Damals war er noch Großaktionär am polnischen Energieriesen PKN Orlen, und wegen eines Treffens mit dem russischen Lukoil-Unterhändler und früheren KGB-Agenten Wladimir Alganow mächtig angefeindet worden.

Tatsächlich halten US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ und die polnische Zeitschrift „Wprost“ den Milliardär für den reichsten Polen. Allein sein Anteil am globalen Brau-Giganten SAB Miller von 3,8 Prozent, für den Kulczyk im Mai seine verbliebenen 28,1 Prozent am polnischen Bier-Verbund Kompania Piwowarska eintauschte, ist Milliarden Euro wert. „Wprost“ taxiert Kulczyk heute auf 5,9 Mrd. Zloty, rund 1,4 Mrd. Euro. Seine Firma Kulczyk Investments hat drei Mrd. Dollar in Beteiligungen investiert – bis hin zu den größten Gasfeldern Bruneis.

Jetzt ist Kulczyk wieder da. Zwar lebt er noch offiziell in London, und der Hauptsitz seines Beteiligungskonzerns Kulczyk Investments ist Luxemburg. In seiner Firmenzentrale in Warschaus Innenstadt hält er sich aber immer öfter auf, vor allem da er im ersten Quartal 2010 seinen Ölkonzern Kulczyk Oil Ventures hier an die Börse bringen will: „Wir brauchen kein Kapital, wir haben genug. Aber ich möchte, dass der Wert unserer Firma fair bewertet wird, und ich bin bereit, um mein Risiko zu mindern, mit anderen die Chancen zu teilen“, erklärt Kulczyk.

Die Gänge der modernen Büroetage sind getäfelt mit dunklem Edelholz, das die bunten Farben der modernen Kunst noch mehr leuchten lassen. Kulczyk, keine Krawatte, dafür ins Graue gehender Henriquatre-Bart, ist einer der bedeutendsten Kunstsammler Osteuropas und engagiert sich stark als Mäzen, Stifter und beim Grünen Kreuz. Den Vorsitz in diesem Umweltverband übernahm er von Michail Gorbatschow.

Doch Kulcyzk ist und bleibt hauptberuflich Unternehmer: „Es ist wie eine private Investmentbank in Familienbesitz, und ich möchte, dass sie es langfristig auch bleibt.“ Die erste Million zum Aufbau einer Firma hatte ihm sein Vater Henryk, ein Unternehmer mit Wohnsitz in Berlin, gegeben. 1981 entstand Interkulpol, eine Im- und Exportfirma. Sieben Jahre später, noch unter den Kommunisten, wird er zum exklusiven Importeur für Volkswagen. Die ersten 1 000 Wagen ohne Ausschreibung für die polnische Polizei sind sein Gesellenstück. Meister wird er nach dem Sturz der Roten bei der beginnenden Privatisierung – und das bringt ihm später massive Kritik ein: Zeitungen nennen ihn einen „Privatisierungsgewinnler“.

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