Jean-Claude Juncker
Luxemburgs Premier wird „Banker of the Year“

Die Krise und ihre Folgen: In Ermangelung eines hinreichend erfolgreichen Kandidaten aus der Finanzbranche entscheidet sich die Jury für einen Politiker. Jean-Claude Juncker erhält die Auszeichnung stellvertretend für die europäischen Finanzminister. Diese hätten mit dem Geld der Steuerzahler einen Zusammenbruch des Finanzsystems verhindert.
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FRANKFURT. Es war schon fast eine Verzweiflungstat. In Ermangelung eines hinreichend erfolgreichen Bankers haben die führenden internationalen Wirtschafts- und Finanzjournalisten am Finanzplatz Frankfurt Jean-Claude Juncker, den Vorsitzenden der Euro-Gruppe und Premierminister von Luxemburg, zum „European Banker of the Year 2008“ gekürt. Juncker nimmt die Auszeichnung heute Abend entgegen. Die Laudatio hält Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Es ist das 15. Mal, dass die „Group of 20+1“ Persönlichkeiten aus der Finanzwelt auszeichnet.

Nichts gegen Luxemburgs Premier. Der 54-Jährige ist ein ehrenwerter Mann. Er ist dienstältester Regierungschef in der Union, und erst im September 2008 wurde seine Amtszeit als Präsident der Euro-Gruppe, also der Finanzminister des Euro-Raums, verlängert, obwohl es eigentlich keine weitere Verlängerung hätte geben dürfen. Zurzeit ist sein Verhältnis zu einigen Mitgliedern der Euro-Gruppe zudem etwas gespannt. Juncker hat sich allzu sehr ins Zeug gelegt, sein Land gegen den Vorwurf zu verteidigen, eine Steueroase zu sein.

Auszeichnung ist kein gutes Omen

Aber Juncker ist gar nicht das Problem. Er nimmt den Preis nur stellvertretend für die Finanzminister entgegen. Denn ohne die milliardenschweren Bankenrettungspakete der Regierungen hätte keine europäische Großbank das Jahr 2008 überlebt, heißt es in der Begründung. „Die Finanzminister haben mit dem Geld der Steuerzahler dafür gesorgt, dass ein Zusammenbruch des Finanzsystems verhindert werden konnte.“

Ob es nun eine besondere Leistung war, das Geld anderer Leute auszugeben, sei dahingestellt. Jean-Claude Juncker ist mit der Mehrheit der Stimmen gewählt worden. Dem einen oder anderen Banker dürfte aber dadurch einiges erspart geblieben sein. Denn nicht selten war die Wahl der Auftakt zum Scheitern.

Geht man die Liste der Preisträger der vergangenen Jahre durch, so ist der Preis auffallend oft an Kandidaten verliehen worden, die kurz darauf aus ihrem Amt ausgeschieden sind – die Fälle der beiden EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet (2007) und Wim Duisenberg (1996) mal ausgenommen. Bei Notenbankern liegt man leicht richtig. Die werden in der Regel nicht gefeuert.

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