Jean-Cyril Spinetta
Der kalte Korse

Aus dem unmöglichen Duo Air France/KLM machte Jean-Cyril Spinetta ein Erfolgsmodell. Nun soll daraus ein Trio werden: Der Chef der französisch-niederländischen Fluggesellschaft denkt laut über eine Fusion mit der von der Pleite bedrohten Alitalia nach.

HB PARIS. Jean-Cyril Spinetta ist so leicht durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Schon gar nicht durch Bewegungen seines Aktienkurses. Der setzte am Donnerstag zum Tiefflug an, nachdem Spinetta erklärt hatte, dass sein Unternehmen die Möglichkeit einer Fusion mit der von der Pleite bedrohten Alitalia auslote.

„Herr Spinetta, der Air-France-Kurs fällt in der Eröffnung um drei Prozent. Bleiben Sie dabei?“ fragt ein Journalist der Nachrichtenagentur Reuters. „Ich bleibe dabei“, meint der ruhig. Wenige Minuten später setzt der Reuters-Journalist nach: „Der Kurs fällt nun um über sechs Prozent.“ Doch der Konzernchef mit den kurzen, drahtigen grauen Haaren und der randlosen Brille verzieht keine Mine.

Der 63-Jährige ist es mittlerweile gewohnt, dass sein Umfeld skeptisch auf ihn und seine Vorhaben reagiert. Als er im Oktober 2003 seinen Plan verkündete, sich mit der niederländischen KLM zu verbünden, glaubte damals kaum jemand an den Erfolg des Projekts. Heute aber steht der Konzern mit seinen zwei Airlines besser da als die meisten Wettbewerber. Und die Leser von „La Tribune“ wählten Spinetta zum „Strategen des Jahres“.

Zunächst galt er als blasser Apparatschik

Groß war auch die Skepsis, als Spinetta vor fast zehn Jahren den Chefsessel bei Air France bestieg. Denn den Großteil seiner Laufbahn hatte er im öffentlichen Dienst verbracht und galt als blasser Apparatschik. Außerdem war er nur zweite Wahl: Der damalige Premierminister Lionel Jospin wollte eigentlich Pascal Lamy zum Air-France-Chef machen – doch dieser lehnte ab. Ersatzmann Spinetta entpuppte sich als Glücksgriff für den Staatsaktionär: Seit seinem Amtsantritt im Jahr 1997 hat Air France nie Verluste gemacht – trotz 11. September, Irak-Krieg und SARS-Seuche.

Spinetta ist korsischer Abstammung. Und Korsen wird eine gewisse Sturheit nachgesagt. Die ist auch beim französischen Airline-Chef zu beobachten. Während Analysten jetzt in einem Zusammengehen von Air France/KLM mit der maroden Alitalia das Ende der wunderbaren Börsenstory der Air France heraufdämmern sehen, meint Spinetta stoisch: „Air France/KLM ist der Beweis dafür, dass eine Fusion von Fluggesellschaften aus verschiedenen Ländern Werte schaffen kann.“ Dies gelte auch für eine mögliche Fusion mit Alitalia.

Weniger zielstrebig fing dagegen Spinettas Karriere an. Der Vater, ranghoher Ingenieur in der Bauverwaltung, wollte den Filius auf die angesehene Ingenieurschule Polytechnique schicken. „Doch dazu hat es nicht gereicht“, räumte der Betroffene in einem Interview mit „Le Point“ ein. Der Rubgy-Fan wäre dagegen lieber Sportjournalist geworden. Er entschied sich schließlich für ein Jurastudium und schloss Jahr 1970 die Elite-Schmiede Ecole Nationale d’Administration (ENA) ab. Die Sportzeitung „L’Equipe“ zählt indes bis heute zu seiner Morgenlektüre.

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