Jean-Cyril Spinetta
Der neue Air France-KLM-Chef will sparen

Bei der Vorlage der Zahlen von Air France-KLM lies Jean-Cyril Spinetta keinen Zweifel daran, dass die Sanierung der Fluglinie Chefsache ist. Es liegt ein hartes Stück Arbeit vor ihm, denn die Situation des Unternehmens ist höchst unkomfortabel.
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Paris, FrankfurtDer Start für den neuen alten Chef stand unter schlechten Vorzeichen. Kaum war bekannt, dass Verwaltungsratschef Jean-Cyril Spinetta vorübergehend wieder den Job als Konzernchef bei Air France-KLM übernimmt, streikte für mehrere Tage das Kabinenpersonal.

Ohnehin schlägt ihm im Unternehmen nicht nur Sympathie entgegen. Vielen gilt er zumindest als mitverantwortlich für den Rauswurf seines Ziehsohns Pierre-Henri Gourgeons. Seit Mitte Oktober Gourgeon als Konzernchef ebenso abrupt wie überraschend vor die Tür gesetzt worden ist, hat Spinetta zusätzlich den Posten wieder, den er zwölf Jahre lang zunächst bei Air France und dann bis Ende 2008 bei der 2004 mit KLM fusionierten Fluggesellschaft ausgeübt hat. Doch Spinetta bemüht sich nach Kräften, einen Komplott zu dementieren. „Ich bin kein kalt lächelnder Killer“, sagte er kürzlich in einem Interview. Und ergänzte vorgestern: „Weil die Situation schwierig ist, konnte ich nicht ablehnen“, als er um die Rückkehr an die Konzernspitze gebeten worden sei.

Bei seinem ersten großen Auftritt in der neuen Rolle, der Präsentation der Geschäftszahlen von Air France-KLM am Mittwochabend, ließ der 68-Jährige keinen Zweifel daran, dass die Sanierung des Unternehmens für ihn Chefsache ist. Alle Fragen beantwortete er persönlich. Denn die Situation der Airline und damit für den Grandseigneur der europäischen Luftfahrt ist höchst unkomfortabel. Spinetta hat einen Betriebsverlust für das Kalenderjahr 2011 ankündigen müssen – ein unerfreuliches Novum für ihn.

Spätestens im kommenden März will Spinetta einen Aktionsplan vorlegen. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns wieder herzustellen, fordert er zusätzliche Kostensenkungen. Außerdem will er die Fluggesellschaft auf der Kurz- und Mittelstrecke neu aufstellen und die Schulden rasch reduzieren.

Denn die Finanzen machen der in der Branche einst gefürchteten Airline Probleme. Sie droht den Anschluss an die europäischen Rivalen Lufthansa, die auch in puncto Größe vorbeigezogen ist, und British Airways zu verlieren. Von den drei europäischen Fluggesellschaften hat sie den höchsten Verschuldungsgrad.

Das erschwert künftige Übernahmen in einem sich weiter konsolidierenden Markt. Hinzu kommt, dass Air France-KLM europaweit die höchsten Personalkosten hat. Der hohe Aufwand belastet den Cashflow, also den Mittelzufluss, mit dem Schulden getilgt werden können.

Spinetta muss das Ruder also herumreißen, zumal die operativen Kosten im Quartal bis Ende September noch einmal um 5,3 Prozent gestiegen sind.

Von Anfang kommenden Jahres an bekommt es Spinetta mit dem von ihm nicht favorisierten Alexandre de Juniac als Chef der Tochter Air France zu tun. Der 68-Jährige sagt, er wolle eng mit Gourgeons Wunschkandidaten zusammenarbeiten und ihm helfen. Für Spinetta wäre es „der normale Lauf der Dinge“, wenn de Juniac ihm nachfolgen würde – am Ende seiner Amtszeit 2014. Bis dahin aber will er den Ehrgeiz der Belegschaft anstacheln, auch wenn er die weitere Integration des Konzerns, die für Anfang 2012 vorgesehen war, um mindestens ein Jahr verschoben hat: „Wir sind dabei, einen europäischen und weltweiten Branchenführer aufzubauen.“

Tino Andresen
Tino Andresen
Handelsblatt.com / Reporter
Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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