Jean-Cyril Spinetta
Vom Cockpit in die Atomindustrie

Jean-Cyril Spinetta, Verwaltungsratschef von Air-France-KLM, will einen weiteren Job übernehmen: Der 65-Jährige steht kurz davor, den Aufsichtsrat des französischen Energiekonzerns Areva zu leiten.

PARIS. Jean-Cyril Spinetta, Präsident des Verwaltungsrats von Air France-KLM, will noch lange nicht auf das Altenteil: Denn er steht kurz davor, einen weiteren Job zu übernehmen. Der 65-Jährige soll Donnerstag zum neuen Aufsichtsratschef von Frankreichs Atomkonzern Areva benannt werden, heißt es in Paris. Der bisherige Chefaufseher, Frédéric Lémoine, übernimmt bekanntlich die Führung der französischen Beteiligungsgesellschaft Wendel. Seinen Job als Chef des Verwaltungsrats von Air-France-KLM wolle Spinetta aber behalten, ließ er bereits verlauten.

Die Berufung des langjährigen Air-France-Chefpiloten an die Spitze von Frankreichs Atomholding Areva mag auf den ersten Blick überraschen; denn der gebürtige Korse verfügt über keinerlei Erfahrungen im Energiegeschäft.

"Spinetta ist jedoch ein erfahrener Industriemanager, der zudem über exzellente politische Kontakte verfügt", heißt es aus dem Umfeld von Areva. Konzernchefin Anne Lauvergeon dürfte zudem erleichtert über die Wahl des neuen Chefaufsehers sein. Die beiden kennen sich seit den 90er-Jahren. Damals berieten beide den Staatspräsidenten François Mitterrand.

Spinetta wird nachgesagt, er habe keine Vorliebe für eine Fusion von Alstom und Areva, ein Projekt, das Areva-Chefin Lauvergeon um jeden Preis verhindern will. Was immer der Staat, Mehrheitsaktionär bei Areva, auch mit der Atomholding vorhat - Entscheidungen dürften nun noch eine Weile auf sich warten lassen, denn Spinetta wird sich erst einmal in Ruhe einarbeiten wollen.

Primär muss er der Areva-Chefin Lauvergeon bei der Frage helfen, wie der Konzern sein ehrgeiziges Investitionsprogramm von 2,7 Milliarden Euro allein für das Jahr 2009 finanzieren soll. Zudem müssen die Franzosen Siemens ausbezahlen. Die Deutschen wollen ihren Anteil an der Tochter Areva NP an Areva zurückgeben. Das Ausstiegspoker hat gerade erst begonnen.

Die Frage der Finanzierung ist indes unmittelbar mit der Frage der Kapitalstruktur Arevas verknüpft. Um die anstehenden Ausgaben zu bezahlen, plädiert Lauvergeon seit Jahren für einen Börsengang. Vielleicht schlägt Spinetta hier einen anderen Kurs ein. In jedem Fall ist Lauvergeon nun nicht mehr die alleinige Chefin im Haus. Denn mit Spinetta hat sie einen starken Aufseher über sich, der seine Rolle gewiss nicht als die eines Frühstücksdirektors verstehen wird.

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