Jean-François Decaux
Rotation auf französisch

Jean-François Decaux hat für den französischen Außenwerber das Deutschland-Geschäft aufgebaut. Nun übernimmt er den Berliner Konkurrenten Wall.

PARIS. Familiengeführte Unternehmen können es sich leisten, einen langen Atem zu haben: Acht Jahre nachdem der französische Spezialist für Außenwerbung JCDecaux bei seinem deutschen Wettbewerber Wall in Berlin eingestiegen ist, übernehmen die Franzosen nun die Mehrheit. Ein schöner Erfolg für JCDecaux-Chef Jean-François Decaux, 49, der das Deutschland-Geschäft aufgebaut hat. Doch der Deal dürfte seine Ablösung als Konzernchef nicht verhindern.

Denn bei dem Familienunternehmen wird an der Spitze rotiert: Nach jeder Hauptversammlung wechselt der Vorstandsvorsitz zwischen Jean-François Decaux und seinem zehn Jahre jüngeren Bruder Jean-Charles. Diese originelle Governance-Regel hatte Konzerngründer und Übervater Jean-Claude durchgesetzt, um Familienzwist zu verhindern. Als Vorsitzender des Aufsichtsrats ist der Selfmademan zwar seit neun Jahren nicht mehr für das operative Geschäft zuständig, aber noch präsent.

Mit einer einfachen wie brillanten Geschäftsidee hatte Jean-Claude Decaux aus einem Mittelständler einen Weltkonzern geschmiedet: Decaux stellt Gemeinden gratis Bushäuschen und Toiletten zur Verfügung, im Gegenzug darf er die Werbeflächen vermarkten. Seit einigen Jahren umfasst die Angebotspalette auch die berühmten Leihfahrräder. Um den Auftrag in Paris hat sich Decaux einen erbitterten Rechtsstreit mit US-Konkurrent Clear Channel geleistet.

Um aus seinen Söhnen echte Unternehmer und keine Erben zu machen, hatte Decaux senior wieder eine gute Idee: "Er hat uns gesagt, dass es für uns außer Frage steht, in Frankreich zu arbeiten; denn dort konnten wir keine eigene Legitimität aufbauen", erzählte einmal Jean-François Decaux. Also schickte Decaux seine Jungs ins Ausland, damit sie den Erfolg des Vaters dort wiederholen würden. Jean-François lernte Deutsch und ging 1982 nach Hamburg. Mittlerweile verantwortet er auch die Märkte Osteuropas, Australiens und in den USA. Der jüngere Jean-Charles zog aus, um in Spanien sein Glück zu versuchen. Heute darf er sich um ganz Südeuropa, Südamerika und Asien kümmern.

Die verschiedenen Marschrouten haben laut Beobachtern auch auf die Charaktere der beiden Decaux-Junioren abgefärbt: Jean-François pflege eine eher angelsächsische Note, spreche oft vom Börsenkurs und liebe Polo. Bruder Jean-Charles komme dagegen eher mediterran daher und rede gern vom "unerschütterlichen Optimismus", den jedes Unternehmen brauche. Statt für Pferde begeistert er sich für den Segelsport.

Optimismus können derzeit beide Decaux-Brüder gebrauchen, denn die Wirtschaftskrise schüttelt auch ihr Familienunternehmen durch. In der Krise sparen Unternehmen nun mal gerne und zuerst an der Werbung, daher könnte der Umsatz in diesem Jahr zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte fallen. Um die Firmen-Kasse zu schonen, haben sich die Familienaktionäre, die nach wie vor 70 Prozent halten, Zurückhaltung auferlegt. Die Dividende soll für 2009 ausfallen. Im ersten Halbjahr blieben von 925,4 Millionen Euro Umsatz ganze 4,4 Millionen Euro als Nettogewinn übrig.

Doch mit der Übernahme in Deutschland rüstet sich die Decaux-Familie nun für die Zeit nach der Krise. Die Analysten des Brokers Oddo bewerten den Deal mit 150 Millionen Euro und sehen ihn "in Übereinstimmung mit der Konzernstrategie", sich vor allem bei Unternehmen zu verstärken, an denen JCDecaux bereits beteiligt ist. Nach der Krise können sich die Experten auch größere Deals, etwa in den USA, vorstellen. Als Familienunternehmer haben die Decaux den dazu nötigen langen Atem.

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