Jean-François van Boxmeer
Heineken-Chef: Ein Leben für Bier aus Holland

Wenn Jean-François van Boxmeer aus seinem Bürofenster an der Amsterdamer Singel Gracht schaut, hat er das markante rote Backsteingebäude an der Stadhouderskade fest im Blick. Die Heineken-Brauerei aus dem Jahr 1867, das Stammhaus des heute drittgrößten Braukonzerns der Welt, hat im übertragenen Sinne sein gesamtes Berufsleben bestimmt.

HB AMSTERDAM. Und im Herbst folgt die Krönung: Ab Oktober soll van Boxmeer, der aus einer alten belgischen Brauerfamilie stammt, in einem von fünf auf drei Köpfe verkleinerten Vorstand von Thony Ruys das Amt des Chief Executive Officers (CEO) übernehmen.

Ruys agierte wenig glücklich als Nachfolger des legendären Karel Vuursten, einem kettenrauchenden Original, das die Bilanzpressekonferenzen des in 170 Ländern der Erde agierenden Multis noch auf Niederländisch abhielt. Zuletzt brach der Nettogewinn des Konzerns wegen des schwachen Dollars um fast ein Drittel ein. Die umgehend eingeleiteten Gegenmaßnahmen sollen die negativen Währungseffekte aber erst im kommenden Jahr kompensieren – wenn van Boxmeer für Heineken verantwortlich zeichnet.

Ruys galt als Mann des Übergangs: Denn van Boxmeer genoss nach Informationen aus Unternehmenskreisen schon früh das Vertrauen des 2002 verstorbenen Mehrheitsaktionärs Freddy Heineken, der die Karriere des jungen Managers nach Kräften förderte. Und auch Heineken-Erbin Charlene de Carvalho, die zurückgezogen in London lebt, hält auf van Boxmeer große Stücke.

Schließlich arbeitet der 43-Jährige seit über 20 Jahren in ihrem Reich, die meiste Zeit davon verbrachte er im Ausland. Nach Anfangsstationen in Ruanda und im Kongo baute der Belgier das Geschäft in Polen auf und verantwortete als Vorstand die Übernahme der österreichischen Brau Union.

„Ein international sehr erfahrener Mann“, urteilt Karlsberg-Chef Richard Weber. Er schätzt van Boxmeers „klare Ansichten“ und hat die Niederländer über die Münchener Brau-Holding International (BHI) indirekt an seiner deutschen Brauerei beteiligt.

BHI-Chef Wolfgang Salewski lobt van Boxmeers herausragende analytische Fähigkeiten, die der designierte Heineken-Chef unverzüglich in entsprechendes Handeln umsetzen könne. Außerdem spricht der Diplom-Ökonom verhandlungssicher mehrere Sprachen. Die Namen polnischer Biermarken wie Warka Jasne Pelne und Zywiec kommen ebenso flüssig und akzentfrei über seine Lippen wie das deutsche Wort „Dosenpfand“ – das sogar Einzug in seinen allgemeinen Sprachgebrauch gefunden hat.

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